Das Wirtshaus im Spessart – gefeierte Premiere in Halberstadt

Harzletter, der Zweihundertzweite.

Ich summe innerlich immer noch leise vor mich hin: „Ach das könnte schön sein …“. Der wunderbare Ohrwurm aus dem „Wirtshaus im Spessart“, genauso wunderbar vom Ensemble des Harztheaters in Halberstadt zur Premiere auf die Freilicht-Bühne gebracht.

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In dem Lied, das von den beiden Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller in den 50er Jahren geschrieben wurde, heißt es:

Ach, das könnte schön sein
Als friedlicher Bürger
Sein ehrbares Leben
So ganz auszukosten

Ach, das könnte schön sein
Ein friedlicher Bürger
Bei dem die Pistolen
Und Pateronen verrosten

202 Spessart priester

50er Jahre eben, und natürlich kennen die Älteren den Film mit Liselotte Pulver, der 1958 gedreht wurde und jahrelang regelmäßig im Sonntagnachmittags-Programm lief – zu Zeiten, als Fernsehen im Wesentlichen aus zwei Programmen bestand.

Der Spessart und die Räubergeschichten

Die Originalgeschichte schrieb 1826 Wilhelm Hauff; zu seiner Zeit waren Räubergeschichten ziemlich angesagt, gern auch mit der Figur das „edlen Räubers“, der eigentlich ein friedlicher Bürger sein und nur das vermeintliche Unrecht bekämpfen will.

Im Hof des Burchardiklosters ging es ebenfalls um Recht und Unrecht, dazu auch um Romantik und Liebe und nicht zuletzt um viel Klamauk. Also eine ziemlich erfolgversprechende Mischung, die aber erst einmal auf die Bretter gebracht werden muss.

202 Spessart duett

Und genau hier zeigte sich die Klasse des Harztheaters. Allen voran Klaus Uwe Rein und Tobias Amadeus Schöner, die als Knoll und Funzel in komödiantischen Paraderollen glänzten. Zwei Räuber-Schlawiner mit großem Herzen, die sich das Leben nicht allzu schwer machen wollen, und sich auf ihre Art durchlavieren. Schön ihr Zusammenspiel mit dem Publikum – das soweit ging, dass vier Zuschauerinnen mitten im Stück ausgewählt wurden und als Statisten für eine Szene auf der Bühne mit dabei waren.

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Ganz nebenbei spielen sie beide Doppelrollen, nämlich als Obrist von Teckel und als Baron von Sperling – ebenfalls bravourös. Da mussten die anderen Hauptrollen erst einmal mithalten, aber das klappte richtig gut. Jessy-Joy Spronk als Comtesse Franziska von Sandau, Amrei Wasikowski als ihre Zofe Barbara und die beiden Handwerksburschen Michael Rapke und Thomas Kiunke lieferten ein klassisches Versteck- und Verkleidungsspiel ab – da war die Unterhaltung garantiert.

Flottes Tempo, leicht angestaubte Sprüche

Dazu kamen Gijs Nijkamp als Pfarrer Haug, Samuel Berlad als Korporal, Max An als Räuberhauptmann und Bettina Pierags als Räuberwirtin – und natürlich die vielköpfige Räuberbande. Gutes Timing, flottes Tempo, leicht angestaubte Sprüche; so kann man an einem lauen Sommerabend in schöner Umgebung in ein entspanntes Wochenende starten.

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Denn das Wetter spielte perfekt mit. Keine Regenwolke zog über Halberstadt und die Sonne ging exakt zum Beginn der Komödie unter.

Die Handlung des Stückes ist reichlich kompliziert, und spielt auch eigentlich keine Rolle. Es geht um eine Lösegeld-Erpressung, um einen Räuberhauptmann, der sich als Adliger entpuppt, und um eine leicht renitente Herzogstochter. Wichtiger ist die Musik, die live unter dem Bogen des Burchardi-Eingangs gespielt wurde. Leichte, eingängige Schlager- und Operetten-Melodien, die einfach gute Laune machen und technisch sauber dargeboten wurden. Bemerkenswert übrigens auch, wie ganz nebenbei kräftig gegen die Moral der christlichen Kirchen ausgeteilt wurde.

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Dass alle auf der Bühne ausgebildete Sänger und Sängerinnen sind, merkte man sofort. Es gab keine Wackler und keine dünne Stimmen; nur einmal kippte es in den Höhen ein wenig weg, aber das war unerheblich.

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Die rund 500 Zuschauer waren begeistert; am Ende gab es lang anhaltenden Beifall, der sich zu einer kleinen Ovation steigerte. Klar, dass alle Verantwortlichen hinter den Kulissen auf die Bühne mussten, um den verdienten Applaus entgegenzunehmen. Strahlende Gesichter, denn eine Premiere ist immer etwas Besonderes – und kann auch schon mal schief gehen.

Die nächsten Spessart-Vorstellungen: 14. August und 27. September

Die nächsten Vorstellungen sind am 14. August im Burchardikloster und am 27. September im Großen Haus Quedlinburg. Klare Empfehlung – und bis dahin: vielleicht mal schauen, was das Harztheater im Sommer sonst noch so anbietet. Lohnt sich. Alle Schauspiel-Fotos: Marco-Misgaiski

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Vergangene Woche ging es um die Harz-Geologie und um Karl August Lossen.

Hier habe ich mir das Harzmuseum in Wernigerode angesehen.

Davor feierten wir den 100. Geburtstag des Waldseebades Hasselfelde.

Davor war die Hitzewelle das große Thema.

Hier war ich zu Besuch in Karls Erlebnisdorf in Wernigerode.


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