Harzletter, der Zweihundertste.
Bevor ich zum Harzmuseum komme, erst einmal ein paar Sätze in eigener Sache: Dies ist der Zweihundertste (in Ziffern: 200!) Harzletter. Seit knapp vier Jahren schreibe ich den, Woche für Woche, bisher ohne Ausnahme und ohne Unterbrechung. Eine ganz schöne Strecke – und irgendwie kommt mir die Zeit, seitdem ich das mache, gar nicht so lang vor.

Die in dieser Zeit entstandenen Texte sind naturgemäß sehr unterschiedlich. Einige wurden auf www.harzletter.de überragend oft angeklickt – alles zu Walpurgis (natürlich!), ebenfalls, wenn es um Amateurfußball ging oder um Gastro-Themen. Manches fiel durchs Raster, manches hätte ich mir im Nachhinein echt sparen können. Aber es geht hier ja nicht um Klicks und Aufmerksamkeit und sowieso nicht um Geld – wobei ich weder das eine noch das andere ablehne.
Spaß am Schreiben und Interesse am Harz
Ich mache das aus Spaß am Schreiben und vor allem aus Interesse am Harz. Hier Woche für Woche unterwegs zu sein, Menschen zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen und dabei die Gegend und ihre Geschichte besser kennenzulernen, das ist es und darum geht es (an dieser Stelle ein Gruß an die Eisperlen).
Jetzt also, quasi zum Jubiläum, das Harzmuseum in Wernigerode. Das habe ich schon lange vor, weil es mir immer mal wieder begegnet ist.

Kleinere Museen gibt es eine ganze Reihe im Harz. In denen geht es meist um die Geschichte eines Ortes oder um spezielle regionale Themen. Das Harzmuseum bietet Ähnliches – es geht um die Entwicklung Wernigerodes, aber es informiert, wie der Name schon sagt, auch über den gesamten Harz. Das Besondere: Es ist zwar klein und entsprechend übersichtlich, aber es ist gleichzeitig auffallend gut und professionell gestaltet.

Es werden nicht zusammengesammelte Objekte ermüdend in Vitrinen präsentiert, sondern es wurde ausgewählt, gegliedert, informativ beschriftet – man spaziert durch die Räume, schaut, liest und erfährt dabei eine Menge.
Das Harzmuseum liefert einen Überblick
Zum Beispiel über die verschiedenen Stadtbrände, die im Mittelalter mehrfach den kompletten Ort verwüsteten. Auf einem Gemälde ist eine Vorher-Nachher-Stadtansicht dargestellt; so wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Passend dazu: frühe Löscheimer, Feuerwehrhelme, die Geschichte des Brandschutzes.

Das Harzmuseum Wernigerode liegt natürlich im Stadtzentrum, im Klint 10, ganz in der Nähe des dekorativen Rathauses. Das Fachwerkgebäude wurde 1821 errichtet; früher war es Wohnhaus, dann Behördensitz, seit 1955 ist es Museum und Stadtbücherei.
Vier Euro Eintritt sind zu bezahlen – das ist fair.
Blickfang Auerhahn im Harzmuseum
Die Geschichte Wernigerodes ist eng mit den Grafen zu Stolberg und dem Schloss verbunden. Aber es werden nicht sämtliche Grafen aufgezählt – die kann sich sowieso kaum jemand merken. Interessanter sind das Wachstum im Mittelalter, die Wirren und Zerstörungen während der Bauernkriege und die Umwälzungen durch die Industrialisierung. Auch die rasante Entwicklung des Fremdenverkehrs ist dargestellt und ein ausgestopfter Auerhahn weist auf das örtliche Hasseröder Bier hin.

Es folgen die Räume, in denen es um den gesamten Harz geht – der Name Harzmuseum verpflichtet. Geologie, Tierwelt, Bergbau; das Wesentliche wird übersichtlich dargestellt und macht Lust auf mehr. Das Museum ist quasi ein Appetithappen: Ein Vorgeschmack auf das, was der Harz zu bieten hat. Und wie er überhaupt so werden konnte, wie er jetzt ist.


Als drittes kommt dann noch die Kunst. Der Harz ist schließlich rauf und runter gemalt worden. Die Namen dieser Maler (und wenigen Malerinnen) sind nicht ganz so groß wie die der Dichter, aber die Sammlung des Harzmuseums kann sich mit über 1600 Objekten durchaus sehen lassen.
Im Museum ausgestellt sind Gemälde von Richard Thierbach (1860 – 1931), der in Stolberg geboren wurde, in Weimar und Berlin Malerei studierte und später in den Harz zurückkehrte. Er schuf ausdrucksstarke Landschaften, die dramatisch und gleichzeitig romantisch wirken. Für Landschaftsmaler war der Harz ein ideales Motiv, das zeigen auch Bilder von einigen Zeitgenossen Thierbachs.

Aber auch die Stadt Wernigerode selbst wurde gemalt. In einer Ecke, fast ein bisschen versteckt, hängt „Marktplatz in Wernigerode“ von Charles Hoguet, entstanden 1861. Ein fröhliches Gewimmel von Gemüseständen, Händlern und Marktbesucherinnen vor dem Rathaus. Gestiftet im Jahr 1898 von Thusnelda Goverts. Eine romantische Kleinstadtidylle – wer die Bilder von Carl Spitzweg mag, wird es lieben.

Ach ja: Eine Sonderausstellung gibt es gerade auch: 20 Jahre Harzer Wandernadel. Schöne Fotos, viel Informatives zur Idee Wandernadel. Man möchte eigentlich sofort loslaufen, rein in den Harz.
–––
Vergangene Woche feierten wir den 100. Geburtstag des Waldseebades Hasselfelde.
Hier ging es um die besten Sommer-Veranstaltungen im Harz.
Davor war die Hitzewelle das große Thema.
Hier war ich zu Besuch in Karls Erlebnisdorf in Wernigerode.
Und hier geht’s um eine Radtour zum Birnbaumteich.
Und hier geht es zurück auf die Startseite