Harzletter, der Einhundertfünfundneunzigste.
Alles Erdbeere, alles rot und groß und sympathisch. Karls Erlebnis-Dorf, ganz nah an der Autobahn-Ausfahrt Wernigerode-Mitte gelegen. Seit Mai als Pop-Up auf der grünen Wiese errichtet, und sofort heillos überlaufen. Da muss ich natürlich hin.

Alles wirkt schon bei der Anfahrt noch etwas provisorisch: Die Ampeln, die Parkplätze, der Weg zum Eingang. Eigentlich ist Karls Erlebnis-Dorf lediglich eine mittelgroße Halle mit angeschlossenem mittelgroßen Outdoor-Gelände. Eigentlich. In Wirklichkeit tobt hier das pralle Leben. Denn Karls Erdbeer-Erlebnis-Dorf hat ein ziemlich cleveres und ausgefeiltes Konzept.
Der Zirkus rund um die Erdbeere
Der Eingang erinnert ein bisschen an ein Zirkuszelt – und es ist wirklich ein Zirkus rund um die Erdbeere, der einen hier in Wernigerode erwartet.




Man kommt rein und steht sofort im roten Wunderland. Dabei ist es nur ein Verkaufsraum. Erdbeer-Marmelade, Erdbeer-Likör, Erdbeer-Kuscheltiere, Erdbeer-Körbe, Erdbeer-Decken, Erdbeer-Frühstücksbrettchen – man kann es sich nicht üppiger ausdenken. Und alles in einem schreit: Nur mal gucken – und dann: Nein, wie niedlich – und schließlich: Haben wollen. Hier muss man ganz stark sein, vor allem, weil man unentwegt von Karls Erdbeer-Song umsäuselt wird.
Jetzt erst mal nach draußen, erst mal Luft holen.
Hier geht die Erdbeer-Show richtig los, denn jetzt kommt Bewegung ins Spiel. Eine Riesen-Hüpfburg, eine noch riesigere Rutsche, eine Treggerbahn (genauso geschrieben), eine Raupenbahn. Alles nichts Sensationelles, jeder Rummel hat heutzutage Spektakuläreres zu bieten, aber das ist gar nicht das Ziel.
Zielgruppe Kleinkinder und deren Eltern
Denn die eindeutige Zielgruppe von Karls Erdbeer-Imperium sind Kindergartenkinder und deren Eltern und Großeltern. Die brauchen keinen Doppel-Looping, denen reichen eine gemütliche Fahrt auf dem Tregger mit viel Lenkrad-Drehen oder zwei kleine (echte) Ziegen, die man streicheln kann.



Essen und Trinken sind natürlich auch im Angebot – so kann man den Nachwuchs problemlos einen ganzen Tag lang bespaßen und langweilt sich selbst auch nicht. Win-win im besten Sinne.
Schöner, nicht unwichtiger Nebeneffekt: Das Ganze ist bezahlbar. Die Tageskarte, um alle Bahnen, Rutschen et cetera zu nutzen, kostet in Wernigerode 7,50 Euro. Essen und Trinken sowie Souvenirs sind natürlich extra. Aber auch da sind die Preise familienfreundlich kalkuliert.

Wer allerdings nicht zur Zielgruppe gehört und kein Kleinkind begleitet, wird nach einiger Zeit leicht benommen und ein bisschen selbst zur Erdbeere. Klar, jeder mag sie; sie sind schön und rot und süß, aber in dieser Massierung eben auch anstrengend. Doch das gehört zum Geschäft – wenn schon Erdbeere, dann richtig.
Karls Erlebnis-Dorf, eine Erfolgsgeschichte
Beim Rausgehen schaffe ich es gerade noch, einem Kuscheltier in Erdbeerform zu widerstehen. Das Gequengel zweier Kleinkinder neben mir am Regal schreckte mich rechtzeitig ab – aber wer weiß, beim nächsten Mal …

Karls Erlebnis-Dorf ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. 1993 wurde in Rövershagen bei Rostock der erste Erdbeerhof eröffnet. Aber alles begann schon viel früher, nämlich 1921, als Karl Dahl, der Großvater des heutigen Eigentümers, einen Gemüsehof in Mecklenburg anlegte.
So steht es jedenfalls auf der hübsch gemachten Website des Unternehmens.
Heute gibt es acht Erlebnis-Dörfer, sechs davon in Ostdeutschland, dazu das Pop-Up Festival in Wernigerode. Pop-Up heißt, es ist provisorisch eingerichtet; das eigentliche Dorf soll 2028 folgen. Dafür sind Investitionen von rund 30 Mio. Euro im Gespräch.
Weitere Standorte sind im Ruhrgebiet, in Bayern und in Niedersachsen geplant.
Maislabyrinth und Familienhotel
Auch für Wernigerode sind weitere Attraktionen vorgesehen. So wächst gerade hinter dem Outdoorbereich ein Maislabyrinth heran, das irgendwann im Juli begehbar sein soll. Und es gibt Gerüchte um ein Familienhotel mit rund 200 Betten.
Zukunftsmusik. Greifbar sind 102 Jobangebote, die ebenfalls auf der Karls-Webseite ausgeschrieben sind. Vom Projektmanager bis zur Aushilfe ist alles dabei. Die Erdbeere hat offensichtlich Zukunft.
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Vergangene Woche habe ich eine Radtour zum Birnbaumteich unternommen.
Davor habe ich die Konradsburg und die Burgruine Arnstein besucht.
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