K. A. Lossen – die Geologie, der Harz und der Mann der Steine

Harzletter, der Zweihundertunderste.

Heute geht es um Karl August Lossen. Den kennt kaum noch jemand – ich bis vergangene Woche auch nicht – aber das ist ja kein Grund, ihn nicht zu beachten.

201 Lossen Geologe portrait

Vergangene Woche war ich im Harzmuseum in Wernigerode (siehe hier), und da war ich ziemlich angetan von den kleinen Einblick in die Geologie des Harzes. Allein schon, mit welchen Zahlen dort umgegangen wird: Eine Million Jahre sind praktisch gar nichts. So ein Erdzeitalter umfasst mal eben um die 100 Millionen Jahre, auf ein paar Millionen mehr oder weniger kommt es nicht an.

Die gesamte Geschichte der Menschheit mit einigen Zehntausend Jahren ist da zeitlich nur ein Klacks.

201 Lossen karte

Und zwischen diesen ganzen Zahlen zur Erdgeschichte und verschiedenen Gesteinsarten hing ein Foto von – genau: Karl August Lossen (1841 bis 1893). Lossen war studierter Geologe, und ab 1873 Königlich Preussischer Landesgeologe. Er reiste immer wieder von Berlin aus in den Harz – und 1877 wurde sein wichtigstes Werk gedruckt: die geologische („geognostische“) Übersichtskarte des Harzes im Maßstab 1:100 000.

Jetzt kann man denken „schön für ihn, aber wem nutzt das?“. Diese Karte ist ein wahres Wunderwerk und eine Fleißarbeit. Zum ersten Mal wurde die Geologie des gesamten Harzes wissenschaftlich erfasst und im Wortsinne bildhaft dargestellt. Auf den ersten Blick sieht das alles sehr bunt und wild und verwirrend aus. Beim näheren Hinschauen tun sich – wie bei allen gescheiten Landkarten – Details auf und es wird spannend und informativ.

201 Lossen titel

Soweit ich das verstanden habe, gelten die Ergebnisse und die Darstellungen Lossens weitgehend heute noch. Davon abgesehen ist die Karte einfach sehr dekorativ; ab und zu taucht ein Original-Exemplar bei einer Versteigerung auf. Ich weiß allerdings nicht, welche Summen dafür geboten werden (Wenn sich die Gelegenheit ergäbe und der Preis einigermaßen im Rahmen bliebe: Ich würd’s kaufen).

Aber es gibt natürlich auch neuere geologische Übersichten zum Harz. Eine ist die „Geologische Karte Harz 1:100.000“, herausgegeben 1998 vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt. Ich habe sie schon vor einiger Zeit für 9 Euro im Nationalpark-Haus in Andreasberg gekauft, mir sie aber jetzt erst genauer angesehen.

201 Lossen karte aktuell

Das ausgeklappte Format ist 100 x 75 cm groß, also ziemlich riesig, eine Seite ist komplett bedeckt mit bunten Flächen und verwirrend vielen Symbolen ähnlich wie bei Lossen. Aber auf der Rückseite kommt die Zugabe in Form vieler, vieler Erklärungen und Hinweise. Am besten gefallen mir die wirklich poetischen Wortschöpfungen der Geologen; ich habe den Endruck, da hat sich eine ganz eigene Sprache entwickelt – was vielleicht auch nötig ist, um das was sich in der Erde tut, wissenschaftlich korrekt zu beschreiben.

201 Lossen karte brocken

Da gibt es das „variscische Grundgebirge“, die „rhenoherzynische Zone“, die „Nordrandstörung“ und die „Clausthaler Kulmfaltenzone“. Bei den Gesteinsarten finden sich „Keratophyr“ und Olistholithe“, „Schluff- und Tonsteine“, „Kersantit“, „Goniatitenkalk“ und „Kieselschiefer“. Damit kann natürlich keine Laie etwas anfangen, aber das ist auch egal, Hauptsache, es klingt schön.

201 Lossen Wollsack

Jeder, der im Harz herumwandert, kennt die Klippen und die Wollsackverwitterung dort. Das sind geologische Phänomene, die unmittelbar faszinieren. Auf der Geologie-Karte sind genau 100 Harz-Spots angegeben, wo solche geologischen Besonderheiten sichtbar werden. Der Nachteil bei vielen dieser Orte: Sie liegen abseits der gängigen Wege; man muss sich bemühen, etwa alte, aufgegebene Steinbrüche zu finden und dorthin zu gelangen.

Karl August Lossen dürfte viel im Harz unterwegs gewesen sein. Insgesamt 27 Jahre lang befasste er sich intensiv mit dessen geologischem Aufbau. Eine besondere Verbindung pflegte er mit Wernigerode, er wurde unter anderem Ehrenmitglied des dortigen naturwissenschaftlichen Harzvereins.

Deswegen gibt es in Wernigerode heute einen Lossenweg und im Stadtteil Hasserode ein Lossen-Denkmal. (Foto: Hejkal)

201 Lossen denkmal

Und ich werde mir demnächst ein paar von diesen geologischen Stellen im Harz ansehen. Dabei bin ich in guter Gesellschaft. Schon Goethe war mit seinem Geologenhämmerchen zum Beispiel im Bodetal und an der Teufelsmauer unterwegs. Was ich übrigens gern wüsste: Wie stellen Geologen fest, wie alt so ein Stein oder eine Gesteinsschicht ist? Das kann man ja nicht wie bei einem Holzbalken bestimmen.

Und wie kommen die Gewissheiten, was auf der Erde vor Hunderten Millionen Jahren los war, zustande? Sind das alles in Wirklichkeit nur phantasievolle Vermutungen?

Ich merke schon: Geologie ist ein ziemlich komplexes Thema. Und den nächsten Harzfelsen werde ich mit ganz anderen Augen betrachten.

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Vergangene Woche habe ich mir das Harzmuseum in Wernigerode angesehen.

Davor feierten wir den 100. Geburtstag des Waldseebades Hasselfelde.

Hier ging es um die besten Sommer-Veranstaltungen im Harz.

Davor war die Hitzewelle das große Thema.

Hier war ich zu Besuch in Karls Erlebnisdorf in Wernigerode.


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