Walpurgis rückt langsam näher, man spürt schon die Vorbereitungen, die Vorfreude und leichte Aufregung. Zur Einstimmung fahre ich mal beim Hexentanzplatz in Thale vorbei, dem Epizentrum der Walpurgisnacht und einem der Hauptanziehungspunkte überhaupt im Harz.

Jede und jeder hat schon von ihm gehört, neben dem Brocken gehört der Hexentanzplatz zu den Harz-Klassikern. Und obwohl Thale nur ein paar Kilometer entfernt liegt, habe ich bisher noch nie dorthin geschafft – zu abschreckend war das Gerede über den Rummel und die Betriebsamkeit dort.

Davon ist Mitte Februar gar nichts zu spüren. Von Thale aus windet sich die L240 den Berg hoch, wer nicht den Pkw nehmen will, kann etwas spektakulärer mit der Seilbahn hochfahren.
Zunächst sieht der Hexentanzplatz sehr banal aus
Als ich mit dem Auto oben auf 454 Meter Höhe ankomme, sieht es zunächst erschreckend banal aus: Ein riesiger Parkplatz inklusive eines mehrstöckigen Parkdecks, sonst nichts. Ein bisschen mehr Mystik und Hexenwesen, um in Stimmung zu kommen, wäre nett gewesen, aber das kann ja noch kommen. Auf jeden Fall kann ich mir lebhaft vorstellen, wie es im Sommer und zu Ferienzeiten auf dem Hexentanzplatz zugeht.


Laut Wikipedia ist der Hexentanzplatz „angeblich ein altsächsischer Kultort, an dem vor allem in der Nacht zum 1. Mai zur Verehrung der sogenannten Hagedisen (Wald- und Berggöttinnen) Feste abgehalten wurden. Der Ort wurde erst nach dem Verbot des Kultes durch die zugewanderten christlichen Franken zum Hexentanzplatz. Der Überlieferung nach wurde der Platz, zur Kontrolle des Verbots, von fränkischen Soldaten bewacht, die von als Hexen verkleideten und auf Besen anreitenden Sachsen verjagt wurden. Ein weiterer alter Kultplatz der Sachsen befindet sich auf dem Brocken.“

Das klingt schon besser – und Brocken und Hexen sind ja dank Faust, Mephisto und Goethe Allgemeingut geworden. Davon profitiert auch die Stadt Thale, die es versteht, die Hexen-Geschichte gewinnbringend zu vermarkten.
Vom Parkplatz aus läuft man auf ein paar künstlich schiefe und sehr bunte Hexenhäuser zu. Alles ein wenig wie in Legoland. Hier gibt es Essen und Trinken, das ist ja auch wichtig. Die Namen der Anbieter sind überschaubar phantasiereich: Hexenküche, Hexentopf, Hexenbüfett, Hexengrill, und noch ein paar mehr. Da weiß man, wo man ist.
In der Mitte liegen eine Reihe schwerer Findlinge und darauf: Teufel, Homunkulus und Hexe. Leicht grotesk in Szene gesetzt vom Quedlinburger Metallgestalter Jochen Müller – der übrigens die ganze Region mit ähnlichen Skulpturen beglückt hat (Besonders sehenswert, weil sehr lustig: Der Heinrichbrunnen in Quedlinburg direkt an der Bode).
Die drei Bronze-Figuren sind echte Hingucker und an gewissen Stellen ziemlich blank poliert vom den vielen Berührungen. Gleichzeitig ist diese Gruppe ein Kinder-Magnet: Hier kann man rumklettern, sich ein bisschen austoben und Blödsinn machen. Und ein bisschen gruselig sehen die drei auch aus.

Was erst wie ein besseres Disneyland und wie ein großer Rummelplatz wirkt, gewinnt, wenn man diese Buden-Ansammlung hinter sich lässt und am Berghotel vorbei Richtung Abhang geht. Hier versteht man, warum es die Menschen schon immer ins Bodetal und zum Hexentanzplatz zieht. Der Blick runter in die Bodeschlucht und rüber zur Roßtrappe ist wirklich atemberaubend – auch wenn nach hinten raus im Nebel einiges verschwimmt. Genau von dieser Stelle ist die Roßtrappe wieder und wieder gemalt und totfotografiert worden. Best of Harz – im Wortsinne.

Man kann am Abhang lang gehen, auch den ein oder anderen Felsen besteigen; alles ist gut und massiv gesichert, ich kann mir vorstellen, wie hier an Walpurgis und im Sommer herumgeklettert wird. Ein paar Winterwanderer sind noch unterwegs, sonst liegt jetzt alles ruhig.
Schnell ein Abstecher rüber zum Tierpark. Aber nur von außen gucken, nicht reingehen; neun Euro pro Erwachsenen (29 Euro für eine vierköpfige Familie) sind ein stolzer Preis für ein paar apathische Tiere in der Winterruhe. Da macht der Harzbob mehr her. Die Sommer-Rodelbahn führt auf Schienen durch den Wald und ist wirklich ein Tempo-Vergnügen mit kleinem Nervenkitzel in den Kurven. Zum Schluss wird der Schlitten wieder nach oben gezogen, insgesamt eine nette Abwechslung.

Und wenn ich schon mal hier bin, laufe ich auch noch die paar Hundert Meter zum Harzer Bergtheater. Das wurde bereits 1903 gegründet und war eine der ersten und größten Naturbühnen. Bedauerlicherweise hat es eine ziemlich völkische und antisemitische Gründungsgeschichte; in den vergangenen beiden Jahren wurde es modernisiert und vergrößert. Künftig werden dort 1.900 Menschen Platz finden, die erste große Premiere ist das Musical „Walpurga“ am 31. Mai.

Das Geschäft mit den Hexen läuft weiter; natürlich wird der Hexentanzplatz in der Walpurgisnacht und in der Zeit danach überfüllt sein.
Der Bodetal Tourismus verspricht einen „brodelnden Hexenkessel“ sowie „ein tolles Bühnenprogramm mit Livemusik, einer Mystik-, Laser- und Teufelsshow sowie einem fulminantem Höhenfeuerwerk.“ Dabeisein kostet schlanke 35 Euro. Mal unter uns: Walpurgis feiern im Harz geht auch billiger und ohne Überfüllung – der Veranstaltungskalenderdes Harz-Tourismus enthält da ein paar ziemlich gute Hinweise.
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Vergangene Woche ging es zum Faschings-Eisbaden nach Hasselfelde.
Über den Stand bei den Umbauarbeiten beim Quedlinburger Stiftsberg geht es hier.
Hier fand das Amateur-Casting für das Walpurga-Musical statt.
Dann gibt es eine Winter-Wander-Runde rund um Treseburg und das Bodetal
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Auf Instagram findet der Harzletter auch statt: www.instagram.com/harzletter.de/