Torfhaus, Pullman City, Netzkater – die besten Bikertreffs im Harz

Harzletter, der Zweihundertdreizehnte.

Die Motorrad-Saison nähert sich ihrem Ende, aber ein paar warme Tage für eine letzte Runde durch den Harz sind noch angekündigt. Und da zu jeder Tour auch die Pause und das Reden gehört, hier einige Bikertreffs, an denen auch andere Fahrer und Fahrerinnen einen Stop einlegen.

213 Bikertreff Schild

Los geht’s mit dem Klassiker: der Torfhaus-Parkplatz. Vor dem Bau des Harzturms und des Wienerwald-Restaurants sammelten sich dort an jedem Wochenende Hunderte Motorradfahrer. Torfhaus war Showroom, Laufsteg, eine einzige Bühne. Hier gab es alles zu sehen und zu hören, was auf zwei Rädern möglich war.

Torfhaus, der Bikertreff-Klassiker

Heute sind Parkraum und Teilnehmerzahlen geschrumpft. An der Einfahrt ein Schild: „Motorräder dürfen hier kostenfrei parken“. Das ist nicht selbstverständlich – die Parkgebühren sind normalerweise üppig in Torfhaus. Aber die Biker und ihre Maschinen sind eine Attraktion für alle Besucher, und auch wenn es nicht mehr frühere Dimensionen hat, ein paar Dutzend Motorräder sind immer zu bestaunen. Ein echter Bikertreffpunkt für alle.

Die Bandbreite reicht von schweren Harleys – eine Gruppe aus Oschersleben macht sich gerade zur laut knatternden Abfahrt bereit – bis zur liebevoll restaurierten Vespa. Die Besitzer reagieren meist positiv, wenn sie angesprochen werden. Über nichts reden Motorradfahrer schließlich lieber als über Motorräder.

213 Bikertreff Ducati

Etwas am Rand parkt ein feuerroter Star dieses Sonntagnachmittags. Eine Ducati, aber eine, wie sie sich in keinem Katalog findet. Daneben, mit einem Kaffeebecher in der Hand, steht lässig Hennig Schrader. Zwei-Meter-Mann, Rennkombi, Motorrad-Enthusiast. „Ich habe vieles selbst ein- und umgebaut“, erzählt er, „alles TÜV abgenommen, alles korrekt.“ Und weiter: „Ich mache das seit über 40 Jahren, aus Begeisterung, und ohne eine reguläre Ausbildung.“

Er erzählt noch, dass er sich mit der Ducati noch nie hingelegt habe: „Ich fahre schnell, aber nicht riskant. Das Wichtigste ist: Heil raus aus der Garage, heil wieder rein in die Garage.“

Nebenan steht eine Honda Dax, die neben diesem Kraftpaket wie ein Kindermotorrad wirkt. Das spielt hier keine Rolle, sie wird ebenfalls stark beachtet – Biker sind tolerante und neugierige Menschen.

Kein Glück an der Okertalsperre

Von Torfhaus soll es eigentlich zum nächsten Bikertreffpunkt an die Okertalsperre gehen. Die dortige Okerterasse ist in jedem Guide als Bikertreff gelistet. Aber das ist Vergangenheit – das Café ist seit längerem abgeriegelt und wird umgebaut. Auch der nahe gelegene Windbeutelkönig gilt als Motorrad-Anlaufstelle – aber auch hier sieht es eher trist aus. Eine einzelne Maschine steht auf dem Parkplatz, das lohnt keinen Zwischenstop.

213 Bikertreff Windbeutel

Also ab Richtung Süden. Das nächste Ziel heißt Ilfeld. Kurz davor, wo die Bundesstraße 4 mit der B 81 zusammentrifft, steht mitten im Irgendwo der Imbiss Netzkater. Mit riesigem Parkplatz, Sonnenschirmen und Tischen draußen. Perfekt. Anhalten, einen Kaffee holen und dann gemütlich beobachten, wer vorbeifährt, wer anhält und wer wieder startet. Gespräche ergeben sich schnell, müssen aber nicht sein. Man versteht sich auch ohne Worte.

Die folgende B 81 Richtung Hasselfelde hat als Renn- und Unfallstrecke traurige Berühmtheit. Es geht wunderbar kurvenreich durch den Herbstwald, aber dann kommen die Rüttelstreifen und die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Die Leitplanken reichen durchgehend bis auf den Boden – ein sicheres Zeichen, dass es hier schon einige aus den Kurven getragen hat. Dabei muss hier niemand rasen, um Spaß zu haben: Der Streckenabschnitt gehört zu den Schönsten im Harz – bei jedem Tempo.

Bikertreff Westernstadt Pullman City

Kurz hinter Hasselfelde wartet ein echter Bikertreffpunkt-Hotspot. Die Westernstadt Pullman City hat längst die Motorradfahrer als Zielgruppe entdeckt. Noch vor dem Eingang steht links die Biker Ranch, ein Blockhaus mit Terrasse, Gastronomie und großem Parkplatz. Hier wehen USA-Flaggen, aus den Lautsprechern tönen Blues und Rock, es gibt immer reichlich Harley Davidson Motorräder zu begutachten.

Ich komme mit Olli aus Nordhausen in Gespräch, er ist stolzer Besitzer einer 20 Jahre alten Harley. Die sieht schlicht umwerfend aus: glänzender Chrom überall, Speichenräder, drei Scheinwerfer – da steckt erkennbar jede Menge Arbeit drin. Wenig später fährt er blubbernd vom Hof, und wirklich alle schauen ihm respektvoll hinterher.

213 Bikertreff Olli

Aber auch in Pullman City finden sich nicht nur imposante Dickschiffe; gleich daneben parken zwei MZ 250. Baujahr irgendwann in den Achtzigern, seitdem mit viel Liebe und Fachwissen instand gehalten.

Von der "Soundröhre" nach Stolberg

Nach der Westernstadt geht es weiter zur Rappbodetalsperre, die fast nebenan liegt. Der Parkplatz direkt hinter der Staumauer und dem anschließenden Tunnel war einmal ein zentraler Motorradfahrer-Treffpunkt. Der Grund: die „Soundröhre“, der rund 400 Meter lange Tunnel, der als dröhnende Beschleunigungsstrecke genutzt wurde. Seitdem er durch massive Rüttelstreifen entschärft wurde, regelmäßig Kontrollen stattfinden und das Parken reguliert wurde, hat der Biker-Andrang hier stark nachgelassen.

213 Bikertreff Stolberg

Deswegen gleich zur letzten Station: Stolberg im Südharz. Etwas abseits gelegen, fast ein Geheimtip und immer lohnend. Ein Fachwerkstädtchen wie aus dem Bilderbuch, das beeindruckende Schloss gibt es als Zugabe. Mitten im Ort, da wo Markt, Rittergasse und Niedergasse zusammentreffen, trifft sich die Biker-Szene zum Sehen und gesehen werden. Dann stehen die Maschinen dekorativ aufgereiht vor dem Hintergrund der Fachwerkhäuser und des Saigerturms und dürfen bestaunt werden.

Aber man muss sich beeilen. Ende Oktober geht die Saison zu Ende, dann werden die meisten Motorräder bis zum Frühjahr abgestellt. Und im Harz wird es anschließend für ein paar Monate deutlich ruhiger.

---

Vergangene Woche war ich mit dem Rad unterwegs im Huy.

Davor ging es um die Eröffnung des neuen Schlossmuseums in Quedlinburg.

Hier radelte ich zu einigen Feldwarten rund um Quedlinburg.

Hier waren Italien und die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Thema.

Am 5. August war ich beim Klangwechsel des John-Cage-Projekts in Halberstadt.


Und hier geht es zurück auf die Startseite

Kontakt

Kommentare, Nachrichten, Fragen, Lob und Kritik an:

Erwin Klein
info@harzletter.de