Aussichtstürme, ein Kloster und eine Räuberhöhle – eine herbstliche Rad-Runde durch den Huy

Harzletter, der Zweihundertzwölfte.

Im Herbst will man dort unterwegs sein, wo sich die Blätter langsam einfärben und die späte Sonne durch die Laubbäume scheint. Deswegen geht es einmal nicht der Harz, sondern auf eine entschleunigende Fahrrad-Runde durch den Huy – gesprochen „Hüh“ – der ein paar Kilometer nördlich von Halberstadt liegt.

212 Huy Herbstwald

Der Huy hat zwei Vorteile: er ist relativ klein – etwa zwölf mal drei Kilometer – und deswegen relativ unbekannt, und auf ihm wächst der Huywald, einer der größten reinen Buchenwälder Mitteleuropas.

Im Huy geht es nur mäßig bergauf

Außerdem geht es nur mäßig bergauf, der Buchenberg als höchste Erhebung bringt es auf 314 Meter. Gute Voraussetzungen also, um sich mit dem Rad auf eine stimmungsvolle Herbstrunde zu machen.

212 Huy Klosterkirche

Ausgangspunkt ist das Kloster Huysburg, zentral mitten im Wald gelegen. Das ist eine mächtige Anlage, die 1058 von den Benediktinern gegründet wurde. Heute leben dort nur noch wenige Mönche, es gibt ein umfangreiches Kurs-Angebot, ein schönes Café und einen Klosterladen. Die Kirche ist allerfeinster Barock, ein kurzer Besuch zum Start der Tour kann nicht schaden.

Erstes Ziel: Paulskopfwarte

Mein erster Anlaufpunkt ist die Paulskopfwarte ganz am Ostrand des Huy. Warten sind Beobachtungstürme, die im Mittelalter fast flächendeckend errichtet wurden, um die umliegende Gegend permanent im Auge zu behalten und anrückende Feinde möglichst früh zu entdecken. Deswegen stehen die Warten immer an prägnanten Aussichtspunkten – wo sie wieder hergerichtet wurden, hat man von oben einen weiten Blick in die Landschaft.

212 Huy wartenruine

Die Paulskopfwarte ist allerdings nur noch eine überwucherte Ruine und nicht mehr zu betreten. Doch an ihrem Standort hört der Wald auf und das Beste am Huy wird sichtbar: der Blick rüber zum Harz. Der liegt rund 25 Kilometer entfernt und bei klarer Sicht kann man über die Türme von Halberstadt hinweg fast dessen gesamte Ausdehnung verfolgen. Der Brocken und die umliegenden Anhöhen sind deutlich erkennbar.

212 Huy Wegweiser

Von der Paulkopfwarte radel ich zurück über den St.-Jakobus-Pilgerweg nach Röderhof. Die Wege sind angenehm zu befahren, auch für diejenigen, die nicht mit E-Antrieb unterwegs sind. Hilfreich ist auch die neue Wanderkarte „Fallstein und Huy“, die der Schmidt-Verlag in Zusammenarbeit mit der Harzer Wandernadel gerade herausgebracht hat. Dann muss man noch die Beschilderung der Wege im Huy loben. Die ist vorbildlich und vollständiger als auf vielen Wegen im Harz. Verfahren ist somit praktisch unmöglich.

Von Röderhof zur Räuberhöhle

Röderhof ist ein netter kleiner Ort am Rande des Huy. Es gibt ein Schloss, das in Privatbesitz und deswegen leider nicht zu besichtigen ist, eine Eisdiele, eine Bogenschieß-Anlage und den Röderhofer Teich. Der liegt idyllisch im Nachmittagslicht, ein paar Enten schwimmen um eine kleine Insel herum, und wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich in der Gaststätte „Jagdhütte“ direkt am Teich bleiben und einfach nur aufs Wasser schauen.

212 Huy Daneilshoehle

Aber es gibt ja noch einiges mehr abzufahren. Durch den Buchenwald geht es auf eine echte Räuberhöhle zu – zumindest der Sage nach. Die Daneilshöhle ist ein echter Anziehungspunkt des Huy; sie ist leicht erreichbar, frei zugänglich und man kann sich problemlos vorstellen, wie von dort aus Räuber und Wegelagerer harmlose Wanderer überfielen. Zwei mannshohe Löcher im Gestein sind die leiht gruseligen Eingänge. Im Mittelalter soll sie als Einsiedlerklause gedient haben – genaueres weiß man nicht. Gerade das macht sie so geheimnisvoll.

212 Huy Warte

Über den ausgeschilderten Wartenweg führt die Tour weiter zur Sargstedter Warte. Die liegt versteckt im Wald und entpuppt sich, nachdem ich sie gefunden habe, als echtes Highlight. Denn sie wurde aufwendig restauriert, eine solide Treppe führt nach oben und der Dachstuhl ist komplett neu konstruiert. Dann ist da natürlich wieder dieser Blick! Richtung Harz, über das gesamte Vorland hinweg.

Jade und Marcel: Treffen auf der Warte

Und zum ersten Mal treffe ich Wanderer, die ebenfalls im Huy unterwegs sind. Marcel und Jade, Studenten aus Leipzig und Göttingen klettern nach mir die Warte hinauf. Wir kommen ins Gespräch, sind uns schnell einig: Der Huy ist komplett unterschätzt. Auch wenn nichts wirklich spektakulär ist, verbringt man hier einfach eine sehr erholsame Zeit.

212 Huy Jade

Zurück geht es auf dem Wartenweg. Vorbei an der Teufelskanzel – die Aussicht! – kommt das Kloster Huysburg wieder in den Blick. Je nach Zeit und Kondition sind natürlich auch größere Runden möglich – ich mache mich noch auf den Weg nach Halberstadt. Nach so viel Natur ist ein wenig Kultur inklusive Stadtbesichtigung ein passender Abschluss.

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Vergangene Woche ging es um die Eröffnung des neuen Schlossmuseums in Quedlinburg.

Hier radelte ich zu einigen Feldwarten rund um Quedlinburg.

Davor waren Italien und um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Thema.

Davor bin ich auf Wurmberg und Achtermann gewandert.

Am 5. August war ich beim Klangwechsel des John-Cage-Projekts in Halberstadt.


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