Harzletter, der Zweihundertundneunte.
Nach den politischen Aufregungen der vergangenen Wochen zur Nervenberuhigung wieder ein wenig Heimatkunde. Ich war nach der Rückkehr aus Italien mit dem Rad rund um Quedlinburg unterwegs und habe mir dabei einige der Feldwarten, auf die man dabei manchmal trifft, näher angeschaut.

Bei Wikipedia gibt es dazu einen eigenen Eintrag: Quedlinburger Landgraben. Dazu heißt es, „das Quedlinburger Warten- und Landgrabensystem sei ein mittelalterliches Verteidigungssystem, mit dem das Umland von Quedlinburg vor dem Eindringen von Heerhaufen und Räubern gewarnt und geschützt wurde.“ Davon bekommt man natürlich nichts mit, wenn man als Tourist in der Stadt ist – und auch wenn man hier wohnt, sind die Feldwarten nicht gerade im Blickfeld. (Ganz nebenbei: „Heerhaufen und Räuber“ klingt einigermaßen wild und verwegen, da will man doch mehr wissen).

Feldwarten als mittelalterliches Frühwarnsystem
Nochmal Wikipedia zum Quedlinburger Landgraben:
Feldwarten heißen die Warttürme des mittelalterlichen Verteidigungssystems (siehe auf der Karte oben: Die Warten sind die kleinen roten Kreise – Copyright der Karte: Rkass / Willi Gille). Sie wurden vermutlich ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in die Zeit um 1320 auf Bergen an der Gemarkungsgrenze als Frühwarnsystem errichtet. Sie sicherten wichtige Straßen- und Wegeverbindungen und meldeten Gefahren mittels Rauch- und Feuerzeichen. Als Signalempfänger vor Ort hat der Türmer auf dem Marktkirchturm gedient. Die Feldwarten waren umgeben von einem befestigten Hof, der den Bauern und Hirten als Fliehburg diente.
Steinholzwarte: Der weite Blick in die Landschaft
Elf Warten gab es rundum Quedlinburg. Einige sind völlig verschwunden, andere mehr oder weniger verfallen, manche wurden erhalten, restauriert und zu frei zugänglichen Aussichtstürmen ausgebaut. Und weil sie im Mittelalter errichtet wurden, um möglichst früh mögliche Feinde zu erkennen, hat man von ihnen fast immer besonders schöne Ausblicke in die Landschaft.


Als erstes ging es zur Steinholzwarte, die rund fünf Kilometer nördlich des Stadtzentrums liegt. Nach der Autobahn führt der Weg ein Stück die Harslebener Berge entlang und dann nach rechts steil bergauf. Zwischen den Bäumen, erst auf den dritten Blick zu sehen, die Warte. Ein kompakter Bau, schmaler Eingang, wenige schmale Fenster, eine Wendeltreppe führt nach oben. Von dort ein weiter Blick Richtung Harz.
Die Warte wurde im 14./15. Jahrhundert aus Sandsteinquadern errichtet und von der Stadt Quedlinburg unterhalten. Sie ist bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts ständig besetzt gewesen. Ratsrechnungen belegen bis 1560 regelmäßige Lohnzahlungen an zwei ganzjährig hier wohnende Turmwächter. Die Steinholzwarte bot auch den Arbeitern Schutz, die hier in dem nahe gelegenen Steinbruch arbeiteten. Der Turm ist 11,3 Metern hoch und hat einen quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von etwa 4,15 Metern.

Zum nächsten Anlaufpunkt geht es Richtung Süden, rechts an Quedlinburg vorbei. Die Altenburgwarte ist ebenfalls als Aussichtsturm umgebaut und liegt ebenfalls versteckt hinter hohen Bäumen. Der jetzige Turm wurde 1889 vom Harzklub aus den verwitterten Resten der ursprünglichen Warte errichtet. Er ähnelt der Steinholzwarte, ist allerdings fünfeckig. Ansonsten: Schmaler Eingang, Wendeltreppe, oben ein weiter Blick zur Stadt hin.

Und dann, weil sie nicht allzu weit entfernt ist, noch der Weg zur Aholzwarte. Von der existieren nur noch das Fundament und ein paar Steinreste. Aber man kann sich leicht den Turm vorstellen und der weite Blick Richtung Harz und Richtung Quedlinburger Stiftsberg sind immer noch da. Bis vor ein paar Jahren gab es auf dem Steinrumpf eine hölzerne Aussichtsplattform, aber die ist inzwischen verschwunden.

Wenn man sich im Netz zum Stichwort Wartturm oder Warte umschaut, sieht man schnell, dass diese Art der Überwachung ziemlich verbreitet war. Einer der Bekanntesten ist der Binger Mäuseturm, malerisch mitten im Rhein gelegen (Copyright: Marion Halft).

Noch zwei Fun-Facts zu den Warten:
– Die Bezeichnung Warte stammt vom mittelhochdeutschen Wort warte für „spähendes Ausschauen“.
– Die Eingangstür eines Wartturms befand sich üblicherweise in mehreren Metern Höhe und war in diesem Fall nur über eine Leiter zugänglich, die der Turmwächter bei Gefahr einzog.
Von den Warten zu den Wahlen
Soviel zu den Feldwarten – die übrigen acht rund um Quedlinburg werde ich nach und nach noch abklappern. Aber jetzt warten wir erst einmal auf die Wahlprognose um 18 Uhr. Meck-Pomm und Berlin sind im Blickpunkt; der Wahlausgang dort dürfte bundespolitisch einiges in Bewegung setzen.
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