Auf Camping-Tour durchs Selketal – noch mal zelten, bevor der Winter kommt

Harzletter, der Zweihundertvierzehnte.

Der Sommer geht endgültig, es herbstelt mit Macht. Bevor das Wetter richtig umschlägt, wollte ich nochmal raus, eine Runde durch die Natur machen und als Zugabe eine Nacht im Zelt verbringen. Camping für Verrückte sozusagen.

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Und ich hab's durchgezogen. Im Selketal. Hier ist mein kleiner Camping-Erlebnisbericht:

Nachts wird es zwischendurch ziemlich kalt – vier bis fünf Grad Außentemperatur sind noch ungewohnt – und am Morgen ist draußen alles nass. Klar, der Morgentau, der gehört beim Zelten im Herbst nun mal dazu. Aber dann dieser Rundumblick hinein ins Selketal! Oben, auf den Bergspitzen, leuchtet bereits die erste Sonne. Dazu jede Menge Vogelstimmen, sonst ist nichts zu hören.

Unterwegs im Herbst. Noch gibt es Blätter an den Bäumen, noch macht es Spaß, draußen herumzulaufen oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Ich habe mir eine kleine Zugabe überlegt: Ein letztes Mal im Zelt übernachten, bevor der Winter hereinbricht.

Keine große Tour, keine schwierige Strecke. Von Quedlinburg aus über Meisdorf ins Selketal und bis Mägdesprung – und dann entweder auf die Schmalspurbahn warten oder den knackigen Anstieg nach Gernrode und zurück zum Ausgangspunkt wählen.

Das könnte ich an einem Tag locker schaffen – auch wenn ich kein E-Bike fahre. Aber ich will ja zusätzlich noch das Zelterlebnis. Denn das hatte ich noch nie probiert: Die ganze Campingausrüstung auf dem Rad zu transportieren. Plus dem Kleinkram, den man sonst so braucht.

Nordkap für Anfänger

Voll bepackt geht es gegen Mittag in Quedlinburg los. Ich sehe aus, als wollte ich mindestens zum Nordkap. Dazu kommt ein völlig neues Fahrgefühl, aber nach ganz kurzer Zeit merke ich: Es rollt, alles kein Problem.

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Was Camping angeht, so gibt es dazu eigentlich nur extreme Standpunkte: Die einen lieben es, für andere ist es die Hölle. Ich bin Team Camping, und zwar kompromisslos: Je reduzierter desto besser. Zelt, Isomatte, Schlafsack – fertig. Für kurze Zeit raus aus der häuslichen Gemütlichkeit, wieder Natur spüren, möglichst minimal und weniger bequem unterwegs sein. Für manche ist das Verwahrlosung, die als Erholung getarnt ist, für mich ist das sofortiges Entschleunigen und Runterkommen. Wenn dann noch das Smartphone auf Flugmodus gestellt wird: Perfekt. Aber das muss man erst einmal aushalten.

Immer den Europaradweg entlang

Ich radele von Quedlinburg aus Richtung Gernrode und stoße nach ein paar Kilometern auf den Europaradweg R1. Jetzt wird es einfach, denn ich muss nur den Wegweisern in Richtung Osten folgen. Der Radweg ist bestens ausgebaut, es geht mäßig auf und ab. Besonders auf dem Abschnitt von Rieder nach Ballenstedt auf dem ehemaligen Bahndamm rollt es wie von selbst. In Ballenstedt suche ich die Abzweigung nach Meisdorf, und von dort geht es noch ein paar Kilometer weiter ins Naturschutzgebiet Selketal.

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Mein Ziel ist der Stellplatz Thalmühle, wo man ganzjährig Zimmer mieten, das Wohnmobil parken oder ein Zelt aufstellen kann. Es ist wenig los, ein paar Wohnmobile verteilen sich, die kleine Zeltecke ist leer. Der Aufbau dauert fünf Minuten, danach eine heiße Dusche, dann das Feierabendbier. Im Tal ist es ruhig, der Wind rauscht hoch oben in den Bäumen, Waldkäuze rufen, ein paar späte Wanderer kommen vorbei. Oben auf dem Berg thront Burg Falkenstein.

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Campingleben: Regen und helle Sterne

In der Nacht werde ich von Regen geweckt, aber der ist nur ein leichtes Plätschern. Wind zerrt an der Zeltplane, das Rauschen der Bäume scheint lauter geworden zu sein. Die Nase fühlt sich eiskalt an, dazu ein leichtes Frösteln. Einen zusätzlichen Pullover übergestreift und kurz mal raus aus dem Zelt. Der Regen hat aufgehört und oben leuchtet der Große Wagen hell wie nie vorher. Lichter von Nachtflugzeugen bewegen sich am Himmel, auch Satelliten sind erkennbar. Beruhigt schlafe ich weiter. Am Morgen: Windstille, blauer Himmel und der Tagesanbruch im Morgentau. 

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Kaffee und frische Brötchen gibt es auch – auf dem Stellplatz weiß man, was Camper brauchen. Bei allem Minimalismus: Ein anständiges Frühstück muss sein. Jetzt noch zusammenpacken und los geht es durch das Tal. Es sind rund zwölf Kilometer bis Mägdesprung, und diese Kilometer gehören zu den schönsten im gesamten Harz. Ein sanftes Tal, immer entlang der plätschernden Selke, alles ist grün oder schon gefärbt und dampft in der Morgensonne. Ein paar Wanderer sind bereits unterwegs, ein paar Kühe stehen herum, ansonsten nichts als Gegend.

So geht es eine knappe Stunde gemütlich dahin, bis die Selkemühle und weitere Häuser auftauchen. Am Carlswerk, einer ehemaligen Maschinenfabrik, die heute Museum ist, endet dieser romantische Teil der Tour.

Fahren oder gefahren werden

Ein Stück weiter die Landstraße hoch liegt der Bahnhof Mägdesprung. Die nächste Schmalspurbahn nach Quedlinburg fährt in einer guten Stunde – und wenn man Glück hat und genug Platz im Triebwagen ist, werden Fahrräder mitgenommen. Einen Moment schwanke ich, dann die Entscheidung für die bequeme Variante: Nicht die endlose Steigung hochstrampeln, sondern entspannt in der Sonne auf die Bahn warten. Der Imbissstand am Bahnhof öffnet auch gerade, das passt mir gut.

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Die Bahn kommt pünktlich, im Wagen ist genug Platz, der Zugführer nimmt mich gern mit – dank Deutschlandticket sogar komplett kostenfrei. Gut eine Stunde dauert die Fahrt, und auch wenn man die Strecke kennt: Schmalspurbahn ist jedesmal etwas Besonderes, besonders im Herbst, wenn es ächzend und knirschend durch den farbigen Wald geht.

Das war’s dann mit Zelten in diesem Jahr – das nächste Camping-Abenteuer folgt im Frühjahr 2027. Mit den ganz harten Winter-Campern kann ich dann doch nicht mithalten.

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Vergangene Woche war ich mit dem Motorrad unterwegs zu den Treffpunkten im Harz

Hier war ich mit dem Rad im Huy.

Davor ging es um die Eröffnung des neuen Schlossmuseums in Quedlinburg.

Hier radelte ich zu einigen Feldwarten rund um Quedlinburg.

Hier waren Italien und die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Thema.


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