Quedlinburg: Neues Museum auf dem Stiftsberg öffnet – das erwartet die Besucher

Nach jahrelanger Sanierung wird am 28. März das völlig neu konzipierte Museum auf dem Quedlinburger Stiftsberg eröffnet – zunächst nur in Teilen. Die vollständige Ausstellung folgt im Sommer.

183 Stiftsberg Stiftsberg

„Das neue Museum auf dem Stiftsberg wird in der Champions League spielen“, hatte Bürgermeister Frank Ruch vor einem Jahr im Quedlinburger Rathaus angekündigt. Damit weckte er hohe Erwartungen – entsprechend hoch sind die Kosten. Rund 30 Mio. Euro werden in die Neugestaltung des Museums und der Stiftskirche auf dem Berg oberhalb der Welterbe-Stadt investiert. Ab dem 28. März wird das Ensemble zumindest teilweise für die Besucher freigegeben.

183 Stiftsberg Baustelle

Dass zum jetzigen Eröffnungstermin nicht alles, wie ursprünglich geplant, fertig wurde, ist vor allem dem Gebäude selbst geschuldet. Sabine Bahß, Pressesprecherin der Stadt Quedlinburg: „Auf dem Stiftsberg wurde seit über 1100 Jahren ständig gebaut, erweitert, abgerissen und neu errichtet. Wie es hinter manchen Wänden aussehen würde, wusste niemand genau. Während der Restaurierung gab es ständig neue Überraschungen. Dadurch haben sich die Arbeiten der verschiedenen Gewerke zwangsläufig verzögert.“

Der Stiftsberg ist ein besonderer Ort

Der Quedlinburger Stiftsberg ist ein besonderer Ort – das wird jedem Besucher auf den ersten Blick klar. Majestätisch thronen Kirche und Stiftsgebäude über der Stadt. In diesen Mauern wurde einst europäische Geschichte geschrieben – und die soll jetzt ganz neu auf zeitgemäße Art und Weise den Besuchern vermittelt werden.

183 Stiftsberg Stiftsgaerten

Mit König Heinrich I. fing 922 alles an. Aus diesem Jahr datiert eine Urkunde, in der erstmals der Name Quedlinburg (genauer: Quitlingaburga) vorkommt. Heinrich besuchte Quedlinburg häufig; es war einer seiner Lieblingsorte. Er bestimmte, dass er in der neu zu errichtenden Kirche begraben werde, und dass ein Frauenstift eingerichtet wurde, in dem vor allem die Erinnerung an ihn aufrecht erhalten und für seine Seele gebetet werden sollte.

183 Stiftsberg Aebtissin Dorothea von Sachsen

Dieses Stift, zu dem nur adlige Damen Zutritt hatten, überdauerte die Zeiten. 866 Jahre lang regierten ununterbrochen die jeweiligen Äbtissinnen das Stift, die Stadt und das umliegende Gebiet. (Gemälde Dorothea von Sachsen, 32. Äbtissin des Quedlinburger Damenstiftes. Sie wurde am 18. April 1610 zur Äbtissin gewählt. COPYRIGHT: Welterbestadt Quedlinburg, W. Fischer)

Natürlich ging es dabei nicht immer friedlich zu. 1477 etwa rebellierten die Quedlinburger Bürger gegen die Stiftsdamen. Äbtissin Hedwig von Sachsen rief ihre adligen Brüder zu Hilfe, die erschienen mit einem Heer und feuerten Kanonenkugeln in die Stadt. Es gab rund 80 Tote, dann kapitulierten die Bürger. Noch heute ist eine dieser Kugeln hoch in der Mauer der Ratsapotheke am Kornmarkt zu sehen.

Auf dem Stiftsberg wurde europäische Geschichte geschrieben

Es gab auch glanzvolle Ereignisse. Mit das Bedeutendste war der Hoftag zu Ostern im Jahr 973. Otto der Große, Sohn Heinrichs I. und damals mächtigster Herrscher in Europa, rief und alle kamen: die Herzöge von Polen und aus Böhmen, Gesandte und Delegationen aus Dänemark, Spanien, Italien und Konstantinopel. Darunter auch eine orientalische Prinzessin, die großes Aufsehen erregte und noch heute Teil der Stadtgeschichte ist: Theophanu heiratete den Kaisersohn Otto II., wurde selbst Kaiserin und galt zu ihrer Zeit als mächtigste Frau Europas.

183 Stiftsberg Goldscheibenfibel

Die Geschichte des Stiftsbergs ist reich an Konflikten, Machtkämpfen und kulturellen Höhepunkten. Wilde Krieger, kluge Frauen, Intrigen, Verrat und erbitterte Auseinandersetzungen – es war alles dabei. (Foto Goldscheibenfibel, 7. Jahrhundert – Copyright: Welterbestadt Quedlinburg, C. Müller)

Das in einem ganz neu konzipierten Museum zusammenzubringen und erlebbar zu machen, ist keine leichte Aufgabe. 

Die Nazis versuchten, den Berg für sich zu vereinnahmen

Uta Siebrecht, Leiterin der Museen der Stadt und verantwortlich für die Neugestaltung auf dem Stiftsberg: „Wir präsentieren die glanzvolle Zeit, die turbulenten Phasen und den langsamen Niedergang des Stifts. Bis hin zur Auflösung 1802 als Folge der napoleonischen Kriege. Aber auch die Zeit danach, wo es um die Restaurierung und Idealisierung der Vergangenheit geht, wird gezeigt.“ Das gilt besonders für die Phase des Nationalsozialismus, als SS-Führer Heinrich Himmler den Stiftsberg und das Gedenken an Heinrich I. für die Nazis vereinnahmen wollte.

183 Stiftsberg Audienzsaal

Was man jetzt schon ahnen kann: Es werden prächtige Räume zu sehen sein (Foto Audienzsaal – Copyright: Welterbestadt Quedlinburg, J. Meusel). Die Äbtissinnen und die Stiftsdamen lebten seinerzeit nicht in Armut – ganz im Gegenteil. Standesbewusst und auf Außenwirkung bedacht wurde der Stiftsberg repräsentativ und schlossähnlich ausgestattet. Diese Ausstattungen werden sehr aufwändig rekonstruiert; das geht so weit, dass spezielle Wandfarben und Stoffbespannungen ganz neu hergestellt wurden. 

Auf diese Art wird das einstige Leben hoch über Quedlinburg anschaulich und nacherlebbar – daneben werden umfassende Informationen und viele Anschauungsobjekte zum Lauf der Stiftsgeschichte präsentiert. Einen Vorgeschmack gab es bereits am 17. September 2025 – da wurde das rekonstruierte Gartenhaus im Terrassengarten des Stiftes eingeweiht.

183 Stiftsberg GartenhausEroeffnung

Nach der Eröffnungsfeier sind ab dem 28. März die neu gestaltete Stiftskirche und der Eingangsbereich des Museums für das Publikum freigegeben. 

Mit der vollständigen Eröffnung im Sommer soll der Stiftsberg dann zu den bedeutendsten Museumsstandorten Sachsen-Anhalts und darüber hinaus zählen. Eben Champions League.

183 Stiftsberg Gartenhaus

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