Harzletter, der Einhundertdreiundsiebzigste.
Was war das für eine Aufregung! Bomben-Zyklon! Blitz-Eis! Wetter-Chaos! Schnee-Stürme!
Und dann: Schneefall, schön kalt, nix Sturm, dafür Ski und Rodel sehr gut.
Ja, ja, ich weiß: Weiter im Norden war es weniger lustig, und in Hannover fuhren die Busse nicht mehr. Nicht so toll, aber am Ende eben einfach Winter.




Auf einer Spaziergeh-Runde durch Quedlinburg war die idyllische Seite des angekündigten Chaos zu besichtigen: Leise rieselnder Schnee, alles ruhiger, friedlicher, Kinder, die begeistert Schlitten fuhren und ein paar Ski-Langläufer begegneten mir auch.
Ein bisschen Bedauern schwang in der MZ-Schlagzeile vom Wochenende mit: „Das große Chaos bleibt aus“. Vielleicht dann beim nächsten Mal.

Dann sah ich in der gleichen MZ-Ausgabe eine kleine Ankündigung. „Lift in Wernigerode geöffnet.“ Der Skilift am Abfahrtshang im Zwölfmorgental sei am Wochenende in Betrieb, am heutigen Samstag sogar abends zusätzlich von 18 bis 21 Uhr. Doppelte Überraschung – erstens wusste ich gar nicht, dass es in Wernigerode einen Abfahrtshang gibt, und dann noch Abendbetrieb!
Ok, es ist nicht gerade eine Schwarze Piste und mit rund 400 Meter überschaubar lang, aber warum denn nicht!
Also Ski-Sachen zusammengesammelt, alles ins Auto geworfen und los. Das Zwölfmorgental ist schnell gefunden, irgendwann hört die Straße auf und dann ist da ein Parkplatz und Ski-Sprungschanze und sonst gar nichts. Fragen hilft – es gehe zu Fuß ein paar Hundert Meter durch den Wald zum Ski-Hang, erfuhr ich. Also gut. Die paar Hundert Meter zogen sich, es ging auch durchweg bergauf und das in Skischuhen und mit dem ganzen Gerödel auf der Schulter.

Irgendwann schien ein Licht durch die Bäume und dann war da der Skihügel.
Rechts eine Hütte, in der Eintrittskarten verkauft wurden (drei Abendstunden kosten 20 Euro), dahinter ein Tellerlift, an der anderen Seite der Piste die Rodelbahn. Die Abfahrt: naturbelassen, klaro. Das ist keine österreichische Pisten-Autobahn. Der Schlepplift – zu dem man auch noch drei Extra-Meter raufkraxeln muss – sehr gemächlich; wenn ein Teller durch ist, dauert es seine Zeit, bis der nächste um die Ecke biegt.
Die Beleuchtung erinnert an Flutlichtanlagen in unteren Fußball-Amateurligen: Drei Glühbirnen an einem Fünf-Meter-Mast, schön weiträumig verteilt. Reicht. Der Schnee reflektiert schließlich und runter kommen sie alle.

Der Andrang: Sehr überschaubar. Kein Drängeln, kein Schieben, wer es mit dem Lift nach oben geschafft hatte, konnte den Blick über ein abendlich leuchtendes Wernigerode genießen und dann in aller Gemütlichkeit mit dem pulvrigen Tiefschnee kämpfen. So ähnlich stelle ich mir Skifahren im vorigen Jahrhundert vor. Bevor die Alpenpisten durchgetaktet und aufgerüstet wurden.
Skifahren wie im vorigen Jahrhundert
Hier: keine Pistenraupen, keine Mega-Gondeln, keine Schnee-Kanonen, kein Riesen-Skigebiet. Ein kleiner Hang, eine Hütte, wo man rumsteht und was trinken kann, ein eher wackliger Lift, und entspanntes Schwingen durch den selbstverständlich perfekten Schnee.
Eineinhalb Stunden habe ich mir gegeben, dann wurden die Beine müde. Kein Wunder beim ersten Skitag der Saison.

Schade, dass solche Schneeverhältnisse selten geworden sind – und in Wernigerode wohl nicht mehr allzu oft auftreten werden. Umso besser, dass der örtliche Skiklub weiter den Lift anwirft, wenn die Umstände passen.
Ich mag das. Inklusive den beschwerlichen Hinweg. Der garantiert, dass dort nie die Wurmberg-Massen einfallen werden. Und der Hang im Zwölfmorgental ein ewiger Winter-Geheimtipp bleiben wird.
Der Rückweg war ganz einfach
Der Weg zurück war dann easy. Einfach laufen lassen. Durch den stockdunklen Wald. Auch ein schönes Erlebnis. Und am Ende dann noch die Frage: Was ist das eigentlich für eine riesige Sprungschanze? Ist die noch in Betrieb? Gibt noch Skispringen im Harz? Ich weiß, dass einige ausrangierte Sprungschanzen in den Harz-Wäldern rumstehen, aber was ist mit dieser in Wernigerode? Ich bleibe dran – und gehe auch wieder zum Runterwedeln ins Zwölfmorgental.
Endlich Wintersport. Gibt kaum was Besseres.
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Zum Jahreswechsel besuchte ich den Rabensteiner Stollen.
An Weihnachten ging es hier mit dem Rad auf den Brocken.
Hier habe ich ein bisschen Dampflok-Romantik eingefangen.
Hier geht’s zum ersten Test in den neu eröffneten Cafés „Va Liés“ und „Nica“ in Quedlinburg.
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