Rabensteiner Stollen: Zum Jahresende 2025 unter Tage im Kerzenschein

Harzletter, der Einhundertzweiundsiebzigste.

Das war mal eine Jahresend-Aktion! Rabensteiner Stollen, Grubenfahrt. Kommt man ja auch nicht so ohne weiteres drauf, habe ich zwei Wochen vorher zufällig auf irgendeiner Harz-Webseite entdeckt. Und gleich gebucht. Das war gut so, denn kurz danach war alles ausverkauft.

Und dann am 31sten quer durch den Harz kurz über die Thüringer Landesgrenze nach Netzkater (der Ort heißt wirklich so!). Dort liegt auch der Rabensteiner Stollen.

Für die Tage zwischen Weihnachten und Silvester waren dort Grubenfahrten im Kerzenschein angekündigt, die Fotos sahen ziemlich verlockend aus. Direkt neben dem Stolleneingang ist ein Bahnhof der Schmalspurbahn; und kurz nach unserer Ankunft dampfte wie bestellt ein Zug heran. Schon mal sehr harzig – Schnee kam dann auch noch dazu.

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Der Rabensteiner Stollen ist unter den Harzer Gruben etwas Besonderes, denn nur hier wurde Steinkohle abgebaut. Die war zwar ziemlich minderwertig – weswegen der Betrieb im Laufe der Jahrhunderte immer mal länger eingestellt wurde – aber von immerhin 1737 bis 1949 wurde hier Kohle gefördert.

Rabensteiner Stollen: Steinkohle von schlechter Qualität

Natürlich ist der Stollen nicht mit den ehemaligen Steinkohlebergwerken des Ruhrgebiets vergleichbar. Es geht hier weder tief nach unten, noch gibt es hohe massive Schächte. Zuletzt, so wurde uns erzählt, waren hier etwa 120 Bergleute beschäftigt, insgesamt wurden laut Wikipedia 182.000 Tonnen Kohle aus dem Berg geholt.

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Seit 1981 ist der Rabensteiner Stollen Schaubergwerk und wurde schon zu DDR-Zeiten entsprechend hergerichtet.

Zu Beginn erst einmal eine Einführung in den Bergmannsgruß. „Glückauf!“ ist mehr als eine Floskel; für die Menschen, die früher hier arbeiteten, war das Gruß, Segenswunsch, Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn dass diese Arbeit unter Tage wirkliche Knochenarbeit war, merkte man schnell, selbst wenn man als ahnungsloser Besucher mit der Grubenbahn einfuhr.

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Auf der Grubenbahn fühlt es sich zuerst an wie auf dem Kinderkarussell, aber wenn man dem Mundloch, also dem Stolleneingang, näher kommt, spürt man, wie beengt es hier zugeht. Die Helme, die vorher verteilt worden waren, erwiesen sich sich als nützlich und notwendig – man stieß öfter mit dem Kopf an Streben und Steine. Aber diese Kerzen! Sobald wir etwas beklommen in dem Stollen eingefahren waren, öffnete sich eine andere, sehr eigene, enge Welt. Erleuchtet durch Hunderte Kerzen, die eine besondere Atmosphäre schufen.

Glühwein und Kuchen bei Kerzenschein

Irgendwann hielt die Bahn, aussteigen, und noch ein Stück weiter laufen; meist gebückt, denn die Gänge sind nicht für Leute über 1,70 Körpergröße ausgelegt. Auch hier: Überall Kerzen.

Von unserem Anführer gab es launige Geschichten und Erklärungen: Wie hier früher die Kohle abgebaut wurde, wie der Stollen gesichert wurde, welche Technik benutzt wurde, und so weiter.

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Dann folge für alle, die wollten, eine Runde mit der Gruben-Draisine, und anschließend war es schon Zeit für Glühwein und Winterkuchen. Da wurde es kuschlig unter der Erde, vor allem, als sogar noch eine Geschichte über die Namensgebung des Stollens vorgelesen wurde. Meist gestellte Frage: Wer macht die Kerzen an und aus – und wie lange dauert das? Antwort: zwei bis drei Stunden, mit drei bis vier Mann. 

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Zurück ging es dann, immer leicht bergauf, zu Fuß. Etwas ungläubig traten wir durch einen zwergenhaften Stollenausgang wieder ans Tageslicht. Zehn bis zwölf Stunden täglich, sechs Tage die Woche haben die Bergleute im 18. Jahrhundert unter elenden Bedingungen in dem Stollen gearbeitet. Auch Kinder. 

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Uns reicht es nach diesen knapp zwei Stunden – auch wenn es sehr stimmungsvoll war. 
Kleine Nebenwirkung: Kopfschmerzen, Übelkeit, ziemlich groggy. Lag das an den Kerzen? Oder an der Enge unter Tage? Egal; es war ja ein freier Tag und bis zum Feuerwerk dauerte es noch.

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Abends war dann wieder alles gut, und vom Münzenberg aus gab es einen wunderbaren Blick über die Quedlinburger Altstadt und die Böllerei drumherum. Alkohol war wohl auch im Spiel.

Frohes Neues! Glückauf!

Vergangene Woche ging es hier mit dem Rad auf den Brocken.

Hier habe ich ein bisschen Dampflok-Romantik eingefangen.

Davor war ich bei der Bergweihnacht auf der Grube Glasebach.

Hier geht’s zum ersten Test in den neu eröffneten Cafés „Va Liés“ und „Nica“ in Quedlinburg.


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