Harzletter, der Einhundertfünfundachtzigste.
Ich hatte es nur aus dem Augenwinkel gesehen, beim Radfahren: Ein Plakat vor der Kirche in Meisdorf im Ostharz: „Osterfeuer Gründonnerstag ab 19 Uhr“.

Meisdorf ist mir sowieso sympathisch, seit ich 2025 das dortige Seifenkistenrennen erlebt habe (siehe hier). Dazu kommt: Ein Osterfeuer gehört im Harz einfach dazu – vielleicht mehr als anderswo. Und der Donnerstag ist ein guter früher Termin, um das Ostergefühl einzuläuten.
Zum Osterfeuer nach Meisdorf
Also setzte ich mich ins Auto und fuhr die paar Kilometer nach Meisdorf. Gegen halb acht, bei der Ankunft, war der Fackelumzug schon durch, das Feuer brannte bereits hoch und gut sichtbar. Aber das war ok, der eigentliche Zweck des Feuers ist ja nicht das Umzugs-Vorspiel, sondern das Beisammenstehen rund um die hochlodernden Flammen.

Dazu ein Bier in der Hand, ein bisschen Reden – und ansonsten: den Winter innerlich hinter sich lassen und dem Holzhaufen beim Runterbrennen in einbrechender Dunkelheit zusehen. Klingt langweilig, ist aber jedes Jahr eine schöne und meist ganz besinnliche Angelegenheit (wenn das Wetter einigermaßen mitspielt).
Den Winter durch das Feuer vertreiben
„Harz in Flammen“ nennt der Tourismusverband die Feuer, die zu Ostern fast überall in der Region brennen. Es gehe dabei um das Vertreiben des Winters und um alte Vorstellungen über den Schutz vor bösen Geistern, um Fruchtbarkeit und Wachstum. Zusätzlich zum Feuer wird an manchen Orten noch das Fackelschwingen und das Schwarzmachen praktiziert. Die kreisenden Fackeln geben dem Ganzen eine mystische Aura, und das gegenseitige Schwärzen des Gesichts durch russgefärbte Hände soll Glück bringen. Wenn’s denn hilft – man muss nur dran glauben.



In Meisdorf brennt der gewaltige Holzstoß langsam nieder. Zeit für ein weiteres Getränk und eine Stärkung. Das Angebot ist so übersichtlich wie sympathisch: Bratwurst, Boulette, Fettbemme – alles zu volkstümlichen Preisen. Dazu ein Getränkestand, an dem zügig gearbeitet wird, wo es allerdings kein alkoholfreies Bier gibt. Kleiner Minuspunkt, schließlich sind viele mit dem Auto gekommen.
Der ganze Ort ist da
Aber sonst ist das Meisdorfer Osterfeuer eine richtig gelungene Angelegenheit der Ortsgemeinschaft. Alle kennen sich, alle sind irgendwie beteiligt, die Kinder können toben (nicht zu nah ans Feuer!!), die Jugendlichen streunen gemeinsam herum. Und die örtliche Feuerwehr passt in voller Montur auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. So ein Feuer ist schließlich eine ernste Angelegenheit.
Wikipedia sagt: heidnischer Ursprung
Aber woher kommt dieser Brauch eigentlich? Schnell noch mal bei Wikipedia nachgeschaut:
Das Osterfeuer entwickelte sich aus einer weltlichen Tradition, mit vermutlich germanischem Ursprung.Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias aus dem Jahr 751. In diesem Brief wird ein Brauch beschrieben, der als ‚ignis pachalis‘ (Passahfeuer) bezeichnet wird.

Und weiter:
Der Brauch ist vor allem in ländlichen Gegenden üblich, wo die Dörfer einen Wettstreit um das höchste Feuer durchführen und die Holzstapel in den Nächten vor Ostern bewachen.
Im Harz heißen die Feuer Ostermeiler, sie sind aus Reisig und Fichtengrün aufgeschichtet, obenauf steht eine große Fichte. In Nordfriesland, vor allem auf den Nordfriesischen Inseln, kennt man den Brauch des Biikebrennens am 21. Februar. Im Fuldaer Land gibt es einen ähnlichen Brauch des Hutzelfeuers am Sonntag nach Aschermittwoch. Ostfriesland hingegen kennt das Osterfeuer, welches in der Osternacht abgebrannt wird.
Osterbrände in Bayern
In Bayern sind die sogenannten Osterbrände üblich. Dort wird mit dem Osterfeuer die Kerze angezündet und die Glut für das Weihrauchfass erzeugt. Die Kinder kohlen frische, armdicke, angespitzte und einen Meter lange Birkenhölzer im Feuer zur Hälfte an. Dann werden sie aus dem Feuer gezogen und in Wasser abgelöscht. Diese Osterbrände sollen auf den Dachboden gelegt werden und, laut altem Volksglauben, vor Blitzschlag bewahren.
Soweit die verschiedenen Traditionen. Natürlich gibt es auch Warnungen; Naturschützer weisen immer wieder auf Kleintiere hin, die sich in den aufgeschichteten Stapeln verkriechen und dann das Abbrennen nicht überleben. Und das eine oder andere außer Kontrolle geratene Osterfeuer gibt es natürlich auch.
Nicht nur beim Osterfeuer aktiv: der Ortschaftsrat
In Meisdorf läuft alles bestens – der Ort hat das Glück, dass vor dem Schützenhaus genügend Platz zur Verfügung steht und man jede Menge Abstand halten kann.

Und wo wir gerade schon in Meisdorf sind: Der Ortschaftsrat verdient an dieser Stelle ein dickes Lob. Er ist in dem 1200-Einwohner-Ort bemerkenswert aktiv, bringt die Leute zusammen und kümmert sich auch intensiv um Neubürger/innen. Ein besonderes Highlight ist das schon erwähnte Seifenkistenrennen, das am 05.09. in die zweite Runde geht.
Gerade wird mit einem sensationellen Video zur Teilnahme motiviert (siehe hier) – es werden sicher wieder abenteuerliche Eigenbauten den Schiebberg hinunterjagen. Und ich werde selbstverständlich an der Strecke stehen.

Außerdem aktuell und wichtig: die Harzer Vorzeige-Burg Falkenstein (Foto: pixabay), die direkt bei Meisdorf liegt und wegen Sanierungsarbeiten an der Ringmauer über ein Jahr geschlossen war, ist seit dem 28. März wieder geöffnet. Das nächste Ausflugsziel im Harz steht damit eigentlich schon fest.
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Vergangene Woche war ich im Herbergsmuseum in Blankenburg.
Davor habe ich über die teilweise Eröffnung des Museums auf dem Quedlinburger Stiftsberg geschrieben.
Dann ging es um Gerhard Zucker aus Hasselfelde und dessen Postraketen.
Hier habe ich über Verbandsliga-Fußball in Westerhausen geschrieben.
Davor habe ich Sebastian Schulze begleitet, der fast täglich die HSB-Züge fotografiert.
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