Klosterwanderweg – zweite Etappe: Bergauf und bergab von Ilsenburg bis Thale

Harzletter, der Einhundertfünfundsechzigste.

Weiter geht es mit dem Klosterwanderweg. Vergangene Woche bin ich von Goslar aus nach Ilsenburg geradelt, jetzt geht es weiter bis Thale. Und es wird sportlich: Da sind unterwegs einige Harz-Highlights, aber auch ein paar knackige Steigungen im Angebot. Ich gestehe, bei einigen Passagen bin ich abgestiegen und habe das Rad geschoben. Das ist keine Schande, vor allem, wenn man ohne E-Antrieb unterwegs ist.

Vom Kloster Ilsenburg geht es auf einem schönen Waldweg direkt nach Drübeck. Hier befindet sich so etwas wie der geistige Mittelpunkt des Klosterwanderwegs. Drübeck ist wirklich noch kirchlich geprägt; es ist Tagungs- und Begegnungsstätte der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Eine Besonderheit ist das „Haus der Stille“, das regelmäßig Einkehrtage und Kurse zu verschiedenen Arten christlicher Spiritualität anbietet. Daneben ist Drübeck einfach eine beeindruckende Anlage – allein die Gärten der Stiftsdamen lohnen einen Besuch.

165 wanderweg gartenhaus

Und da die Etappe gerade erst begonnen hat, geht es auf unserem Wanderweg zügig weiter auf Wernigerode zu. Aber nicht entlang der Landstraße, sondern auf gut befahrbaren Wegen durch den Wald. Das Problem dabei: Man muss diese Wege erst einmal finden. Denn manchmal ist auf dem Wanderweg an jedem dritten Baum ein Wegweiser, manchmal sucht man gerade an Kreuzungen vergebens. Besonders in Ortschaften läuft es öfter auf Fahren nach Gefühl hinaus. 

Der Wanderweg ist manchmal schwer zu finden

Die offizielle Karte zum Pilgerwanderweg hilft nur bedingt weiter, brauchbarer ist die App KartoGuide Harz, für die allerdings gezahlt werden muss. Kleinere Um- und Irrwege gehören nicht nur beim Klosterwandern einfach dazu.

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Kurz vor Wernigerode liegt das ehemalige Kloster Himmelpforte; beziehungsweise liegt eine Wiese, wo einmal ein Kloster stand. Die aufständischen Bauern haben davon vor 500 Jahren wenig übrig gelassen, ein einsamer Gedenkstein erinnert an Martin Luther, der seinerzeit Himmelpforte besuchte. Also geht es gleich weiter mitten durch Wernigerode und Benzingerode dem nächsten Kloster entgegen. Das heißt Michaelstein und liegt sehr dekorativ zwischen bewaldeten Harzhöhen und reichlich Fischteichen. Der Weg dorthin ist reinstes Genuss-Radeln: ganz entspannt geht’s durch eine herbstliche Landschaft.

Das frühere Zisterzienser-Kloster ist heute Musikakademie, Museum und beherbergt auch den Klosterfischer, der unter anderm Karpfen und Forellen aus den umliegenden Teichen auf den Teller bringt. Das lockt natürlich an, aber dann sind da noch der gotische Kreuzgang, der schöne Klostergarten und das überraschend informative und unterhaltsame Musikmuseum. Ein wirklich spiritueller und anregender Ort, auch ganz ohne kirchlichen Beistand.

165 wanderweg linde

So geht es gut gelaunt weiter in die anstrengende Phase. An der über 300 Jahre alten Schäferlinde vorbei geht der Weg fordernd aufwärts Richtung Blankenburg. Sicher, das führt idyllisch wieder einmal durch den Wald, aber mein Bedarf an Bergprüfungen ist eigentlich gedeckt. Wer es sich etwas einfacher machen will, nimmt den Weg durch Oesig und fährt die flache Straße entlang in Blankenburg ein. Ich kämpfe mich irgendwie durch den Wald und entspanne mich erst wieder, als die Bergkirche St. Bartholomäus in Sicht kommt.

Die steht dekorativ unterhalb des Großen Schlosses und glücklicherweise ist sie auch geöffnet. Dass das nicht selbstverständlich ist auf dem Klosterwanderweg, habe ich inzwischen ein paarmal erfahren. Eigentlich schade, wenn Wanderer, die tagsüber zu ganz normalen Zeiten unterwegs sind, sich die kirchlichen Anlaufstellen nur von außen anschauen können.

165 wanderweg Bergkirche

Die Bergkirche hat eine besondere Atmosphäre; vielleicht liegt das daran, dass sie ganz normal als Gemeindekirche genutzt wird, vielleicht sind es die Stifterfiguren oder die geschnitzte Kanzel. Ich bin der einzige Besucher; hierher verirren sich scheinbar nicht viele Wanderer. Das naheliegende Schloss ist touristisch deutlich attraktiver.

Das letzte Stück des Wanderweges hat es noch einmal in sich

Danach nehme ich das letzte Teilstück nach Thale in Angriff. Es geht aus Blankenburg raus die Straße entlang Richtung Timmenrode. Die Strecke liegt zwischen Teufelsmauer und Harzrand. Wer zu Fuß unterwegs ist, muss natürlich den spektakulären Weg vom Großvaterfelsen bis zum Hamburger Wappen nehmen; mit dem Rad ist das unmöglich. Ich bin froh, dass es über ein gutes Stück sanft bergab geht, aber das ändert sich schlagartig, als die Route rechts in die Roßtrappenstraße abbiegt. Der Küsterberg liegt vor mir, und der hat es noch einmal in sich. Wieder absteigen, wieder schieben, noch einmal Zähne zusammenbeißen. Aber auch das hat ein Ende, und dann rolle ich vorbei an glücklichen Ziegen und Schafen auf Thale zu. 

Hier wartet mit dem Kloster Wendhusen eins der ältesten Klostergebäude des Harzes. Und dann werden als Wanderweg-Finale Gernrode, Quedlinburg und Halberstadt folgen. Kleine Vorausschau: Da liegen nicht nur Highlights auf den letzten Kilometern, ein paar Enttäuschungen sind leider auch dabei.

Vor dem Klosterwandern war ich bei Fernsehaufnahmen im Kiku dabei.

Hier habe ich über vier neue oder geplante Cafés in Quedlinburg geschrieben.

Davor habe mir die Premiere von Kleists „Der zerbrochne Krug“ im Harztheater angesehen.

Und hier geht es um das Oberliga-Derby Germania Halberstadt – Einheit Wernigerode.

Davor habe ich mich auf eine Stempel-Wanderung von Ilsenburg nach Schierke gemacht.


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