20 Jahre Klosterwanderweg – unterwegs von Goslar nach Halberstadt. Die erste Etappe

Harzletter, der Einhundertvierundsechzigste.

Bevor es hier ums herbstliche Wandern von Kloster zu Kloster geht, ein kurzer Rückblick auf den Harzletter der vergangenen Woche und meinen angekündigten TV-Auftritt. Hier ist der Link zu dem mdr-Beitrag: Kiku_Quedlinburg, schaut es Euch an und urteilt selbst. Ich bin ok damit und habe mich nur gewundert, wieviel Menschen das gesehen haben. Es kamen jedenfalls einige Reaktionen rein (die meisten zum Glück ganz positiv, und über die anderen schweigen wir).

164 kloster Neuwerk

Jetzt aber raus zum Wandern. Klosterwanderweg, erste Etappe von Goslar nach Ilsenburg. Dieser Klosterwanderweg führt über insgesamt 116 Kilometer bis nach Halberstadt. Immer am Harzrand entlang, immer mit Kirchen und Klöstern als Anlauf- und Zielpunkte. Weil 116 Kilometer auch für Geübte ziemlich lang sind, mache ich es mir einfacher und nehme das Rad. Es geht schneller, man sieht mehr und der Klosterwanderweg ist meist fahrradtauglich. Zusätzliches Plus: Es gibt wenig Steigungen, man kommt also entspannt voran. 

Klosterwandern mit Start in Goslar

Am Startpunkt, der Goslarer Neuwerkkirche, geht es gleich mit voller Energie los. Denn dort ist Andreas Jördens Kirchenführer. Er kennt „sein“ Gotteshaus in- und auswendig. Und die Begeisterung über seine Arbeit ist ihm in jedem Moment anzumerken.

164 kloster Joerdens

Andreas Jördens hat ja Recht: Die Neuwerkkirche ist wirklich etwas Besonderes. Die ehemalige Klosterkirche wurde im 12. und 13. Jahrhundert erbaut und ist fast unverändert in ihrer romanischen Bauweise erhalten. Nicht nur die Fresken im Altarraum sind reinstes Mittelalter.

164 kloster Grauhof

Nach einer ausgiebigen Besichtigung starte ich Richtung Norden. Vorbei an den spärlichen Resten des ehemaligen Klosters St. Georg auf das Kloster Grauhof zu. In der Beschreibung des Klosterwegs wird eine „stilreine Barock Klosterkirche mit umfangreicher prunkvoller Ausstattung“ angekündigt. Die hätte ich mir gern angesehen, doch leider sind alle Grauhof-Eingänge verschlossen und es ist auch niemand zu sehen, den ich fragen könnte.

Also gleich weiter nach Vienenburg. Meist über schnurgerade, mäßig interessante Wege. Das Interessanteste sind die Farben der Laubbäume am Wegesrand – von Dunkelgrün bis Hellrot ist alles dabei. Ab Immenrode führt der Weg über einen ehemaligen Bahndamm in direkter Linie auf das nächste Etappenziel hin: zum Kloster Wöltingerode.

20 Jahre Klosterwanderweg

Der Klosterwanderweg ist in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden. 2005 wurden als erstes die Klöster Ilsenburg und Drübeck verbunden – diese Idee hatte Erfolg und wurde immer weiter ausgeweitet, erst im vergangenen Jahr kam die siebte Etappe von Quedlinburg nach Halberstadt dazu.

164 kloster hofverkauf

Wöltingerode ist schon längst kein Kloster mehr, sondern eine Art Gemischtwarenladen, der von seinen Betreibern geschickt vermarktet wird. Da ist natürlich die populäre Klosterbrennerei, in der seit 1682 Hochprozentiges produziert wird, da ist der Hofladen, der Klosterkrug und seit 2008 das Klosterhotel. Es herrscht fast durchgehend reger Andrang; die hauseigenen Parkplätze sind großzügig ausgelegt. Aber neben all den Vermarktungen gibt auch noch die Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt, die schon im Mittelalter ein vielbesuchter Wallfahrtsort war. Hier lässt sich noch die Frömmigkeit spüren, die dieses Kloster lange geprägt hat. Und eine etwas gruselige Schrecksekunde gibt es auch. Ganz unvermittelt trifft man dort auf eine lebensgroße Jesusfigur in einer Art Holzsarg. 

164 kloster Saufen

Nach einem kurzen Besuch im Hofladen und einer Begutachtung der diversen Liköre geht es weiter auf die ehemalige deutsch-deutsche Grenze zu. Vor der Unterquerung der A36 ein kurzer Schreck: Alles abgesperrt, mit Hilfe mehrerer Kräne wird der Zustand der Brücke akribisch überprüft. Aber kein Drama; ein kleiner Fuß-Umweg durch wildes Gelände und schon geht es weiter auf dem vorgegebenen Weg.

164 kloster Sperre

Die Entscheidung, nicht zu Fuß zu gehen, sondern das Rad zu nehmen, war genau richtig: Der Weg zieht sich, es geht eigentlich nur darum, möglichst schnell voran zu kommen. Erst ab Abbenrode wird die Landschaft interessanter: Der Weg führt jetzt durchs Eckertal und durch Waldgebiet. Alle paar Hundert Meter tauchen hier Grenzdenkmale auf. Die Ecker markierte früher das Ende der westlichen Welt; kaum noch vorstellbar, wie hier Jahrzehnte lang alles gesperrt und blockiert war. 

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Erst hinter Stapelburg biegt der Wanderweg nach links ab und ich bin endgültig in Sachsen-Anhalt angekommen. Prompt folgt der einzige ernstzunehmende Anstieg. Auf 300 Meter Höhe führt der Waldweg auf den Trompeterkopf hinauf – keine große Sache, aber man muss schon etwas energischer ins Pedal treten. Danach rollt es sich locker nach Ilsenburg hinein. Vorbei am Forellenteich auf das Kloster Ilsenburg zu, dem Schlusspunkt des ersten Wandertages.

164 kloster Baustelle

Es geht kurz und heftig bergauf, dann stehe ich inmitten der ehemaligen Kloster- und Schlossanlage. Zur Zeit ist es eine größere Baustelle; ein Museum und eine Kunstgalerie sind geplant. Aber die erhalten gebliebenen Klostergebäude und vor allem die wuchtige romanische Kirche können besichtigt werden und sie sind die vier Euro Eintritt wert. 

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Vor allem die Kirche ist ein echtes Aha-Erlebnis. Der geschnitzte Altar und die bemalte Holzdecke vermitteln einen Eindruck von der Bedeutung des ehemaligen Benediktiner-Klosters. 1018 wurde es gegründet, und es folgte eine ereignisreiche Geschichte von Aufstieg, Niedergang, verschiedenen Umbauten, Zerstörung und Plünderung. Nach der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert übernahmen die Grafen zu Stolberg die Anlage und richteten sich entsprechend adlig ein. Heute kümmern sich eine Stiftung und ein Freundeskreis um die Anlage – sie wird vor allem für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

164 kloster Karte

Der ehemalige Schlosspark wäre es auch wert, dass man ihn sich näher ansieht, aber ich mache mich lieber auf nach Drübeck zum nächsten Ziel des Klosterwanderweges. Im dortigen Kloster herrscht wirklich noch kirchliches Leben, das werde ich mir in der nächsten Folge genauer ansehen.

Vergangene Woche war ich bei Fernsehaufnahmen im Kiku dabei.

Hier habe ich über vier neue oder geplante Cafés in Quedlinburg geschrieben.

Davor habe mir die Premiere von Kleists „Der zerbrochne Krug“ im Harztheater angesehen.

Und hier geht es um das Oberliga-Derby Germania Halberstadt – Einheit Wernigerode.

Davor habe ich mich auf eine Stempel-Wanderung von Ilsenburg nach Schierke gemacht.


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