Harzletter, der Einhundertfünfundsiebzigste.
Crola. Ein Nachname, der mir bis vor Kurzem nichts sagte – und der mir dann in Ilsenburg gleich doppelt begegnete. Georg Heinrich und Elise Crola waren ein Künstlerpaar der Romantik, das ab 1840 in Ilsenburg lebte, arbeitete – und heute fast vergessen ist.


Es geht also endlich mal wieder um Kunst und um Historie – davon hat der Harz reichlich zu bieten. Da sind nicht nur Goethe und Heine; es gibt genügend heute nahezu unbekannte Dichter und Maler, die im Harz unterwegs waren. Warum Georg Heinrich und Elise Crola heute wieder interessant sind? Weil sie exemplarisch zeigen, wie reich die Kunst- und Kulturgeschichte des Harzes jenseits der großen Namen ist.
Die verwickelte Geschichte der Crolas
Fangen wir einfach mittendrin an (die Geschichte der Crolas ist einigermaßen kompliziert):
Ende der 1830er Jahre zog es Georg Crola zurück nach Ilsenburg, wo Elise bereits lebte. Die beiden begegneten sich, verliebten sich und heirateten 1840. Da Elise aus vermögendem Haus stammte – ihr Vater war der Berliner Bankier Joseph Maximilian Fränkel – waren die Finanzen gesichert. Auch sonst lief es bestens. Zitat Wikipedia: „Die Verbindung der beiden stand sowohl familiär als auch künstlerisch unter einem sehr glücklichen Stern.“
Die beiden bekamen fünf Kinder. Sie erwarben und bewohnten das großzügige „Crola-Haus“ in der Nähe des Ilsenburger Schlosses, unternahmen zahlreiche gemeinsame Reisen in Deutschland und verschiedene europäische Länder und hielten regen Kontakt zu Künstler-Freunden.
Und sie produzierten. Von Elise gibt es (laut Wikipedia) weit über 2000 Zeichnungen, eine große Anzahl von Plastiken und gestaltete Vasen und Porzellan. Georg schuf rund 270 Gemälde und ebenfalls viele Zeichnungen.
Romantisch, gefällig und manchmal fast kitschig
Elise und Georg Crola werden in die Abteilung „Landschaftsmaler“ einsortiert; sie gehören zu den Spätromantikern. Georg war in seiner Zeit in Dresden unter anderem Schüler von Caspar David Friedrich. Entsprechend wirken die Gemälde und Zeichnungen heute: Sehr romantisch, sehr gefällig, manchmal auch ein bisschen kitschig. Die Schönheit der Landschaft wird gefeiert – und da liefert der Harz reichlich Motive.

Im Netz ist davon erstaunlich wenig zu finden. Ein paar Gemälde, ein paar Zeichungen, das war’s. Auch die Abbildungen von Georg und Elise sind spärlich. Von Georg Crola existieren (meines Wissens) zwei Gemälde: Einmal von dem Dänen Wilhelm Bendz „Der Maler Georg Heinrich Crola in seinem Atelier“, entstanden 1832, da war Crola 28 Jahre alt. Das Bild hängt in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Und dann, gemalt von seinem Sohn Hugo, ein Portrait von 1865 (siehe oben).
Von Elise Crola habe ich nur ein unscheinbares Portrait in bescheidener Auflösung gefunden (siehe oben).
Bankierstochter und Wandermaler
Interessant ist auch die Vorgeschichte der beiden, bevor sie in Ilsenburg zusammenfanden.
Elise Crola wuchs als Bankierstochter in großbürgerlicher, kunstsinniger und religiöser Umgebung auf. Sie heiratete mit 16 Jahren einen Baron, wurde in der kinderlosen Ehe allerdings nicht glücklich. Nach der Scheidung konzentrierte sie sich auf ihre Kunst und zog sich nach Ilsenburg zurück.
Georg Heinrich Crola war Sohn eines Dresdner Kaufmanns, verlor früh seine Eltern, und kam über einige Umwege zur Malerei und zu den damals tonangebenden Romantikern (Caspar David Friedrich und andere). Er gab mehrfach gesicherte Existenzen als Auftragsmaler auf, um auf Wanderschaft zu gehen und seine Kunst zu vervollkommnen. Eine Bemerkung dazu auf Wikipedia gefällt mir besonders: „Heinrich wanderte, sich gitarrespielend seine Mahlzeiten verdienend, …“ Da stellt man doch gleich eine Art Hippie des 19. Jahrhunderts vor.





Noch ein Zitat, diesmal den Harz und Wernigerode betreffend: „Im Sommer 1829 erlaubte ihm Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode, seine Malerwerkstatt im Wernigeroder Schloss einzurichten. Mit den Werken aus dieser Zeit, vor allem dem „Sonnenuntergang am Brocken“ und den Bildern vom Christianental bei Wernigerode, erzielte er einige Erfolge auf Kunstausstellungen in Hamburg und Dresden und konnte auch einige Bilder verkaufen.“
Im Wernigeroder Schlossmuseum sind ein paar Bilder der Crolas zu sehen, weiterhin im Hüttenmuseum in Ilsenburg. Außerdem erwähnenswert: Die Kunsthalle in Hamburg und die Münchner Pinakothek.


Elise und Georg Crola waren übrigens in Ilsenburg sehr beliebt, weil sie sich sozial engagierten und unter anderen dort ein „Altenstübchen“ stifteten. Sie sind begraben auf dem Ilsenburger Kreuzfriedhof unter einer mächtigen Kreuzigungsgruppe (sie waren sehr religiös), die sie ebenfalls gestiftet hatten.
Eine Buch-Überraschung im Schloss
Dann ist da noch eine kleine Überraschung: Am 17. Februar findet auf Schloss Wernigerode in der Historischen Halle eine Buchvorstellung statt. „Mehr als eine Begabung. Elise Crola und ihr Kreis“ lautet der Titel. Die Potsdamer Kunsthistorikerin Dr. Iris Berndt hat sich über zweieinhalb Jahre mit den über 400 Zeichnungen der Crolas, die im Bestand des Schlossmuseums sind, beschäftigt und sie wissenschaftlich aufgearbeitet.
Aus der Ankündigung:
„Aufgezeigt werden auch die familiengeschichtlichen Zusammenhänge der Crolas sowie das jüdisch-künstlerische Herkommen der Elise aus einer hochbedeutenden, bislang kaum erforschten Salonkultur in Berlin. Zum ersten Mal wird auch eine detaillierte Chronologie des Lebens der beiden Crolas vorgelegt sowie grundlegende Überlegungen zur Unterscheidung der künstlerischen Handschriften der beiden.“
Zufälle gibt’s – das höre und sehe ich mir natürlich an.
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