Harzletter, der Einhundertdreiundsechzigste.
Kleiner Überraschungsanruf vergangene Woche: „Hättest Du am Mittwoch ein bisschen Zeit? Das Fernsehen wird kommen und wir brauchen einen Statisten.“ Klar, kein Problem. Statist kann ich: Irgendwo rumstehen und schlau oder leicht gelangweilt gucken. Zeit habe auch; wir Rentner sind flexibel. Es kam dann ein bisschen anders.

Folgendes ist passiert:
Besagter Anruf kam aus dem „Kiku“, dem Fine Dining Restaurant in Quedlinburg. Fine Dining heißt, dass dort sehr gut und sehr aufwendig gekocht wird (Michelin und so). Aber das Kiku ist bei aller Klasse immer noch sehr bodenständig und einfach sympathisch. Natürlich etwas teurer als der Pizza-Italiener um die Ecke; Qualität kostet eben.



Und im Kiku sollte eine Folge einer mdr-Reihe über Sachsen-Anhalts Spitzenrestaurants für „Sachsen-Anhalt heute“ gedreht werden. Es geht dabei um insgesamt zehn Restaurants, die im Guide Michelin erwähnt werden, beziehungsweise schon mit einen Stern ausgezeichnet wurden (Robin Pietsch in Wernigerode sogar mit zwei). Jeweils ein kurzer informativer Beitrag, gesendet wird jeden Sonntag ab 19 Uhr.
Und morgen, am 2. November geht es eben um das Kiku.
Was meine Rolle angeht: Ich durfte am Tisch sitzen und essen, und am Ende gab es noch ein zwei Fragen über meine Eindrücke, und ich habe versucht, irgendetwas halbwegs Sinnvolles zu sagen. Die Fernsehleute schienen zufrieden, jedenfalls wurde die Szene nicht wiederholt (Oder sie fanden mein Gerede so schlecht, dass sie diesen Teil in Gedanken sofort gestrichen haben – wer weiß). Ich werde jedenfalls morgen ab sieben einschalten und zum ersten Mal „Sachsen-Anhalt heute“ live im Fernsehen verfolgen.
Zu meiner Entschuldigung: Wer guckt heute noch um 8 die Tagesschau, oder sitzt dann vor der Glotze, wenn etwas ausgestrahlt wird? Wenn es wirklich etwas Gutes und / oder Spannendes ist, gehe ich zur Mediathek, ansonsten ist Fernsehen wie früher (Samstags um viertel nach Acht versammeln sich alle, um „Wetten dass“ zu schauen) echt vorbei. Da interessiert mehr, welche Netflix-Serie es wert ist, sie an einem Novembernachmittag komplett wegzubingen.



Da dieses Kiku-Ding lediglich als kurzer Beitrag geplant ist, fuhr der mdr auch nicht das ganz große Besteck auf. Drei Leute – ein Moderator, ein Kameramann, ein Tonmeister – genügten. Für mich überraschend dabei, mit wie wenig Equipment inzwischen gearbeitet wird. Die Kamera zum Beispiel sieht auf den ersten Blick wie eine bessere Spiegelreflex aus, ist irgendwas von Sony und kostet um die 5000 Euro. Liefert aber wohl Top-Fernseh-Qualität.
Dazu ein bisschen Licht, ein Mikro, das war’s auch schon.
Fernsehen: den mdr bei der Arbeit erleben
Gefilmt wurde natürlich vor allem in der Küche mit Chef Jan Fribus als Mann im Mittelpunkt. Der Rest der Mannschaft war fast vollzählig versammelt – es geht dort sehr überschaubar zu – und da das Restaurant am Mittwoch geschlossen ist, konnte in aller Ruhe gekocht, gedreht und inszeniert werden. Zu Essen gab es natürlich auch ein paar Kleinigkeiten, und mein schwerer Job bestand darin, dekorativ mit Julia vom Service am Tisch zu sitzen und auf den nächsten Teller zu warten.
Und am Ende eben jeden besagten Kommentar loszuwerden.

Wer also ein bisschen neugierig geworden ist und wissen will, was im Kiku so auf die Teller kommt und wie der Chef in der Küche hantiert: Morgen, Sonntag ab 19 Uhr mdr fernsehen. Ich wäre dabei eventuell die Statisten-Zugabe. Bin schon gespannt auf die Kritiken, ha!
Außerdem, als kleine Vorankündigung, war ich in der vergangenen Woche heftig mit dem Rad im herbstlichen Harz unterwegs. Genauer gesagt, von Goslar bis Halberstadt. War eine schöne Tour mit insgesamt drei Etappen. Die werden sich auch zeitungsmäßig niederschlagen.
Kleiner Spoiler dazu: Kloster Michaelstein war eine echte Entdeckung und die Neuwerk-Kirche in Goslar hat es mir auch angetan.
Mehr darüber in den kommenden Harzlettern.
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Vergangene Woche habe ich über vier neue oder geplante Cafés in Quedlinburg geschrieben.
Davor habe mir die Premiere von Kleists „Der zerbrochne Krug“ im Harztheater angesehen.
Hier war ich beim Oberliga-Derby Germania Halberstadt – Einheit Wernigerode.
Davor habe ich mich auf eine Stempel-Wanderung von Ilsenburg nach Schierke gemacht.
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