Harzletter, der Einhundertsiebenundfünfzigste.
Zwei Denkmals-Geschichten sind heute im Angebot: Da wäre eine kleine Rückschau zum „Tag des offenen Denkmals“ und – fast top-aktuell – die offizielle Übergabe des Gartenhauses auf dem Quedlinburger Stiftsberg.

Fangen wir mit dem Gartenhaus an, einem Denkmal, das eigentlich ein Neubau ist. Allerdings angelehnt an Abbildungen des 1736 an gleicher Stelle errichteten Lust- beziehungsweise Teehauses. Oberbürgermeister Frank Ruch wies in seiner Übergabe-Rede darauf hin, dass sich die Beteiligten auf die Bezeichnung „Gartenhaus“ geeinigt hätten, weil „Lusthaus“ falsche Erwartungen wecken könne und „Teehaus“ schlicht nicht zutreffend sei. Es war überhaupt eine schöne und entspannte Übergabe – „Rotkäppchen“ und Laugenbretzel inklusive.



Ich habe während der Bauphase, die im November 2024 begann, immer schon mal das 14 Quadratmeter große Häuschen aufgesucht – und war von Anfang an schwer angetan. Es passt einfach.
Es ist ein schöner, nicht zu pompöser Schlusspunkt für die Terrassengärten, es steht genau an der richtigen Stelle (vor 300 Jahren wusste man eine Menge über Proportionen und Harmonie), es ist ein zusätzlicher Anziehungspunkt und verbreitet eine romantische und entspannte Stimmung. Well done!

Das Geld für dieses Neu-Denkmals kam größtenteils aus Landes-Töpfen, speziell aus „Vermögen der Parteien- und Massenorganisationen“ – so die offizielle Verlautbarung. Das sind DDR-Relikte; eingefrorene SED-Gelder oder was auch immer. Spannendes Thema; ich wusste gar nicht, dass über 40 Jahre nach der Wende immer noch Geld der Ex-DDR-Organisationen irgendwo liegt, verwaltet wird und zum Beispiel für rekonstruierte Gartenhäuser verwendet wird.

Alle Beteiligten bei der Stadt, den ausführenden Firmen, den Denkmalschutz-Ämtern zeigten sich stolz und hoch erfreut – nicht zuletzt über die bemerkenswert kurze Bauzeit.
Wenn der große Umbau auf dem Stiftsberg im kommenden Jahr zu Ostern abgeschlossen sein wird (so der Stand der Planung), und das neu konzipierte Museum eröffnet wird, wird auch das Gartenhaus täglich offen stehen. Bis dahin kann man es von außen betrachten, und das ist ja auch ganz schön.

Denkmal Nummer 2: Der Oberhof in Blankenburg
Und dann ist da der Oberhof in Ballenstedt, der zum Tag des offenen Denkmals seine Türen öffnete. Der Oberhof ist auch sonst zugänglich; es finden dort zum Beispiel Musikveranstaltungen statt. Aber eine Führung durch das obere Stockwerk durch den Hausherrn Volker von Alvensleben ist doch noch einmal eine ganz andere Sache.

Der Oberhof ist schon von außen imposant. Gebaut im 16. Jahrhundert als Stadtburg, erwarb ihn nach vielen Umbauten und Erweiterungen 1869 Armgard von Alvensleben. Die lebte dort bis zu ihrem Tod 1920 und betätigte sich in dieser Zeit umfangreich mit Umbauten und Ausstattung. Ach den 15.000 Quadratmeter großen Park ließ sie anlegen.
Um die Geschichte abzukürzen (kann man alles en detail im Netz nachlesen): Nach dem Krieg wurde der Oberhof bis 2002 zur Kindertagesstätte, danach stand er leer und gammelte vor sich hin.
2009 erwarben Claudia und Volker von Alvensleben das Anwesen und seitem wird renoviert und restauriert. Mit beeindruckenden Ergebnissen, vor zwei Jahren wurde das Ehepaar deswegen mit dem Landesdenkmalpreis ausgezeichnet.

Volker von Alvensleben erzählte während seiner Führung durch das Baudenkmal sehr amüsant über die Mühen während der verschiedenen Phasen der Restauration. Es wurde klar, mit welcher Akribie und Detailfreude dort gearbeitet wurde, und wie aufwendig so ein Projekt war und ist. Aber er sagte auch: „Wir haben den Kauf nicht einen Tag bereut.“

Neben dem Oberhof-Anwesen ist auch die Besitzer-Familie eine historische und spannende Angelegenheit. Bei Wikipedia ist allein die Liste der Familien-Berühmtheiten erschlagend. Das Geschlecht derer von Alvensleben ist seit 1163 urkundlich erwähnt – Wichard von Alvensleben als Ministerialer des Bistums Halberstadt – und seitdem war die Familie durchgehend in herausragenden Positionen präsent. Da sind nicht nur reichlich Minister, Militärs und Bischöfe, sondern auch die Schauspielerin Friederike von Alvensleben (1749 – 1799), der Oberforstmeister Gebhard Nikolaus von Alvensleben (1824 – 1909), die Äbtissin Margarethe von Alvensleben (1840 – 1899), der Kunsthistoriker Udo von Alvensleben (1897 – 1962). Ziemlich bekannt und vielfach ausgezeichnet ist der Fotograf Christian von Alvensleben (geboren 1941).
Eine beeindruckende Bau- und Familiengeschichte – und alles eng verbunden mit Sachsen-Anhalt.
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Vergangene Woche ging es um eine Übung der Bergwacht Harz in Schierke.
Davor war ich in Blankenburg und versuchte vergeblich, das Herbergsmuseum zu besuchen.
Zweimal Meisdorf: Erst das großartige Seifenkistenrennen, und dann das Schlosshotel.
Eine Woche vorher habe ich Rasantia, die Rutsche am Harzturm getestet.
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